Südwest Presse: KOMMENTAR · BND
ID: 1203536
Es ist schon verrückt: Der US-Geheimdienst NSA benutzt den
deutschen Partner BND, um diesen für sich selbst deutsche Ziele
ausspähen zu lassen. Wäre die Sache nicht so ernst, müsste man
lachen, frei nach dem bösen Comic-Strip "Spion und Spion" des
US-Satiremagazins MAD - wobei die Namensgleichheit mit dem deutschen
Militärischen Abschirmdienst hoffentlich Zufall sein dürfte. Spaß
beiseite. Was da gestern ans Licht gekommen ist, ist ein handfester
Skandal. Denn der BND, der für die Auslandsaufklärung zuständige
deutsche Geheimdienst, untersteht direkt dem Bundeskanzleramt und
damit Angela Merkel. Wenn es wahr sein sollte, dass BND-Mitarbeitern
über Jahre hinweg seltsame Suchanfragen seitens der Amerikaner
aufgefallen sind, dann ist es schwer zu glauben, die Kanzlerin sei
ahnungslos gewesen. Erneut scheint sich zu bestätigen, dass die USA
Deutschland nicht nur politisch, sondern auch im operativen Geschäft
als Hinterhof betrachten. Dass die NSA seit Jahrzehnten in
Deutschland schaltet und waltet, wie es ihr gefällt, wissen seit den
Enthüllungen des früheren NSA-Mannes Edward Snowden alle. Doch dass
die Schnüffler ihre BND-Kollegen so dreist missbrauchen, wie es der
Fall zu sein scheint, ist blamabel und zeigt den minimalen
Stellenwert, den US-Behörden Deutschland zumessen. So darf man
rätseln: Deckte Merkel die Aktionen oder hat sie ihren Laden nicht im
Griff? In "Spion und Spion" gab es ab und an die "Frau in Grau", die
alle Agenten aufs Kreuz legte. So wünscht man sich zumindest einige
Sätze der Erklärung. Doch erinnern wir uns: Der Comic kam ja auch
ganz ohne Sprechblasen aus.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 23.04.2015 - 18:57 Uhr
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