Vielleicht wird alles anders / "Das neue Fernsehen" - Kooperationsveranstaltung von BLM und DOK.forum im Rahmen des DOK.fest München
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Fernsehen noch lange nicht tot. Es hat eine Chance, wenn es verstärkt
auf Live-Inhalte und Events setzt, die eigenen Qualitätsinhalte
bereits vor der linearen Ausstrahlung in den Mediatheken zur
Verfügung stellt und in Spartenprogrammen ein Lebensgefühl für
bestimmte Zielgruppen schafft. Andererseits kann auch ein großer
disruptiver Umbruch im Bewegtbildmarkt nach dem Motto "alles wird
anders" nicht ausgeschlossen werden. Auch dafür gibt es Beispiele in
der Mediengeschichte. Dieses Fazit lässt sich aus der Diskussion "Das
neue Fernsehen" ziehen, einer gemeinsamen Veranstaltung von der BLM
und DOK.forum am 11. Mai im Rahmen des Internationalen
Dokumentarfilmfestivals München.
BLM-Präsident Schneider stellte in seinem Grußwort fest, dass das
Thema Bewegtbild aktuell eines der wichtigsten Themen in der
Medienbranche ist. "Gewinner sind auf alle Fälle die Nutzer. Sie
profitieren von der großen Konkurrenz, die den Bewegtbildmarkt
bestimmt. Der Nutzer kann heute sehr viel gezielter den von ihm
gewünschten Content auswählen als jemals zuvor", so Schneider.
Der Geschäftsführer der Goldmedia Custom Research GmbH, Dr.
Florian Kerkau, hob in seiner Keynote hervor, dass es dem klassischen
Fernsehen in Deutschland ökonomisch immer noch sehr gut gehe, auch
wenn die Nettoreichweiten und die Nutzungsdauer seit 2011 leicht
zurückgingen. Noch liege auch bei den jungen Zielgruppen die
Fernsehnutzung vor der Nutzung von Videoplattformen wie YouTube,
allerdings komme das wachsende Zeitbudget für Bewegtbild nicht mehr
dem klassischen Fernsehen zu Gute.
Wie schnell sich allerdings Umbrüche vollziehen können,
verdeutlichte Kerkau am Beispiel Kino und Fernsehen: Das Kino war bis
Anfang der 50er Jahre das dominierende Bewegtbildmedium. In dieser
Zeit wurde auch das Fernsehen allmählich zum Massenmedium. Bereits
zehn Jahre später hatte das Kino durch die Konkurrenz des Fernsehens
50 Prozent seiner Umsätze eingebüßt.
Kerkau ist sich sicher, wir stehen auch derzeit am Beginn einer
disruptiven Welle. Mittlerweile streamen 75 Prozent der Deutschen
Bewegtbildangebote über das Internet und YouTube sei zum Alltagmedium
geworden. Immer wichtiger für die Nutzung von Bewegtbildangeboten
wird Social Media. Das sei ein entscheidender Aspekt bei YouTube,
aber noch mehr für die Nutzung von Facebook, das YouTube in Sachen
Video bereits überholt habe, so Kerkau.
In der von Klaudia Wick moderierten Diskussion waren sich Joel
Berger von Google Deutschland, Wolfgang Feindt, Chefredakteur beim
ZDF, Katja Hofem, Geschäftsführerin ProSiebenSat.1 und Elke Walthelm,
Senior Vice President Partner Channels Sky Deutschland im Grunde
einig, dass das Verhältnis zwischen dem klassischen Fernsehen und
YouTube nicht durch ein entweder oder geprägt sei. Stattdessen
existierten verschiedene Modelle, bei denen sich Fernsehen und
YouTube gegenseitig befruchten. Einig war man sich auch, dass viele
Inhalte auf YouTube nicht unter dem Begriff Fernsehen zu fassen
seien. YouTube habe aber ganz eigene Formate entwickelt und die
direkte Verbindung von Produzent und Konsument ermöglicht.
Sowohl Feindt als auch Hofem betonten, dass sich nach ihren
Erfahrungen Inhalte, die vor der linearen Ausstrahlung bereits in den
Mediatheken der Sender angeboten würden, nicht gegenseitig
kannibalisieren, sondern eher neue Zielgruppen erschließen. Um
generell neue Zielgruppen für das Fernsehen zu erreichen, sei
exklusiver Inhalt und der Eventcharakter entscheidend. Und trotz des
Trends zum nicht-linearen Fernsehen sei nach wie vor auch ein fester
Sendeplatz vor allem für Serien von großer Bedeutung. "Wir haben den
guten Content", so Feindt, "wir müssen ihn einfach besser
herausstellen".
Pressekontakt:
Dr. Wolfgang Flieger
Pressesprecher
Tel.: (089) 638 08-313
wolfgang.flieger@blm.de
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Datum: 12.05.2015 - 12:44 Uhr
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