Methanreduktion in der EU droht am Widerstand der Agrarlobby zu scheitern

Methanreduktion in der EU droht am Widerstand der Agrarlobby zu scheitern

ID: 1217815
(ots) - Deutsche Umwelthilfe fordert konkrete
Minderungsziele - Methangrenzwerte müssen Bestandteil europäischer
Luftreinhaltepolitik werden

Der Agrarausschuss des europäischen Parlaments hat sich heute
gegen verbindliche Vorgaben für die Minderung von Methanemissionen in
der EU ausgesprochen. Damit ist er dem Drängen der Vertreter der
industriellen Landwirtschaft gefolgt, die sich intensiv gegen
verbindliche Reduktionsziele für Methan auf europäischer Ebene
einsetzen. Eine Verringerung von Methan ist aus Gründen des
Gesundheits- wie Klimaschutzes dringend geboten. Die Deutsche
Umwelthilfe (DUH) fordert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
und den federführenden EU-Umweltausschuss daher auf, sich für eine
schnelle und konsequente Einführung europäischer
Methanminderungsvorgaben von 30% bis 2025 und 53% bis 2030
einzusetzen und insbesondere die Emissionen aus der Landwirtschaft
systematisch zu reduzieren.

"Mit ihrem Veto stärken die EU-Parlamentarier die industrielle
Fleisch- und Milchproduktion und schaden kleinen Familienbetrieben
und Ökolandwirten. Für den Umweltschutz und die Gesundheit der
Menschen in Europa ist es völlig inakzeptabel, die Einführung von
Grenzwerten für Methanemissionen weiter aufzuschieben. Auch die
landwirtschaftlichen Großbetriebe müssen dies endlich anerkennen. Sie
dürfen sich nicht länger mit ihrer Blockadehaltung aus der
Verantwortung stehlen", kommentiert Jürgen Resch,
Bundesgeschäftsführer der DUH, das Abstimmungsergebnis.

Die DUH fordert einen angemessenen Beitrag des
Landwirtschaftssektors zum Klimaschutz und zur Luftreinhaltung. Der
federführende EU-Umweltausschuss dürfe das Methanziel daher auf
keinen Fall aufgeben, sondern müsse vielmehr zusätzliche
Minderungsvorgaben für 2025 festschreiben. Notwendig sei zudem eine


integrierte Minderungsstrategie für Methan auf nationaler Ebene.
Trotz der negativen Effekte als Luftschadstoff und Treibhausgas gibt
es für Deutschland keine spezifischen Minderungsvorgaben. Als "völlig
unverständlich" beurteilt Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und
Luftreinhaltung bei der DUH, die bisherige Vernachlässigung von
Methan in der nationalen Klima- und Umweltschutzpolitik. "Das
zuständige Bundesumweltministerium darf sich nicht durch vereinzelte
Stimmen aus den Landwirtschaftsverbänden beeinflussen lassen, sondern
muss eine konsequente Minderung von Methan zum Schutz der Umwelt und
der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger unterstützen. Nicht zuletzt
wird die erfolgreiche Umsetzung der Klimaziele von einer Minderung
aller Treibhausgase abhängig sein", betont Saar. Aufgrund der
Kurzlebigkeit von Methan würden Reduktionen der Emissionen sehr
schnell eine positive Wirkung zeigen - sowohl bei der
gesundheitlichen Belastung durch Luftschadstoffe in Europa, als auch
für die Minderung der negativen Effekte des Klimawandels.

Methan ist ein wichtiger Vorläuferstoff für bodennahes Ozon -
einer der wirkungsvollsten Luftschadstoffe in Europa - und
gleichzeitig ein potentes Treibhausgas. Die EU Kommission hat
vorgeschlagen, verbindliche Minderungsziele für Methan in die EU
Richtlinie über nationale Reduktionsziele (NERC-Richtlinie)
aufzunehmen. Mit der Integrierung in die Richtlinie soll das Gas -
analog zu anderen Ozonvorläuferstoffen - in Deutschland und Europa
direkt adressiert werden. Damit würde eine Lücke in der europäischen
Luftreinhaltepolitik geschlossen.

Der Landwirtschaftssektor ist in Deutschland wie auch in der EU
der größte Emittent von Methan. Im aktuellen Gesetzesentwurf werden
zuallererst industrielle Großbetriebe in die Verantwortung genommen
und zu Minderungen verpflichtet. Hier können Emissionen sehr
kostengünstig und unkompliziert etwa durch einen verbesserten Umgang
mit Gülle aus der Viehwirtschaft reduziert werden.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wird am 15.6.2015 im
europäischen Rat der Umweltminister über den Kommissionsentwurf zur
NERC-Richtlinie abstimmen. Der Umweltausschuss des EU Parlaments ist
bei der Revision federführend und wird voraussichtlich im Juli über
den Kommissionsentwurf abstimmen.

Hintergrund

Eine Widerlegung der gängigsten Mythen der Landwirtschaftsverbände
zum Methanziel in der NERC finden Sie hier. http://l.duh.de/p280515



Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
Tel.: 030 2400867-21, E-Mail: resch@duh.de

Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
Tel.: 030 2400867-72, E-Mail: saar@duh.de

Ann-Kathrin Marggraf, Pressereferentin
Tel.: 030 2400867-21, E-Mail: marggraf@duh.de

DUH im Internet: www.duh.de, Twitter: https://twitter.com/Umwelthilfe

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Datum: 28.05.2015 - 13:34 Uhr
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