"Gewalt fängt nicht erst beim Schlagen an"
ID: 1224325
stellt das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) seinen neuen
Themenreport "Gewaltprävention in der Pflege" vor
Auf das Problem der Gewalt im Verborgenen wird am 15. Juni, dem
Welttag gegen Diskriminierung und Misshandlung alter Menschen, in
bundesweiten Veranstaltungen aufmerksam gemacht. Auch in der Pflege
sind gewalttätige oder aggressive Handlungen keine Seltenheit, wie
der heute veröffentliche ZQP-Themenreport "Gewaltprävention in der
Pflege" verdeutlicht. In einer dem Report zugrunde liegenden
repräsentativen Umfrage gab ein Drittel der Befragten mit
Pflegeerfahrung an, sich schon mindestens einmal unangemessen
gegenüber einem Pflegebedürftigen verhalten zu haben. Der
Untersuchung zufolge fehlt es vor allem an gesellschaftlichem
Problembewusstsein: Danach gefragt, in welchen Bereichen dringender
Verbesserungsbedarf bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen
besteht, nannten nur 18 Prozent der Bundesbürger den Schutz vor
Gewalt und Aggression. Gegenüber der besonders gefährdeten Gruppe der
Demenzkranken hielten es sogar nur zehn Prozent der Befragten für
notwendig, Gewalt aktiv vorzubeugen.
"Gewalt fängt nicht erst beim Schlagen an. Misshandlung alter und
pflegebedürftiger Menschen kann viele Gesichter haben", erklärt Dr.
Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zentrum für Qualität in
der Pflege (ZQP). Dazu gehörten neben körperlicher Gewalt oder verbal
aggressivem Verhalten ebenso die Missachtung der Intimsphäre,
finanzielle Ausbeutungen, Einschränkungen der Entscheidungs- und
Bewegungsfreiheit aber vor allem auch Vernachlässigungen. "Um dem
komplexen Phänomen gerecht zu werden, bedarf es zuallererst einer
umfassenden und differenzierten Aufklärung. Viele Krisenfälle könnten
vermieden werden, wenn die Beteiligten das notwendige Wissen hätten",
so Suhr.
Vor diesem Hintergrund ist der neue Themenreport auch ein
Praxishandbuch, das maßgeblich zur Vermeidung von Gewalt in der
Pflege beitragen kann. Denn die Schrift bietet neben aktuellen
Forschungsergebnissen auch praxisnahe Handlungsempfehlungen zum
Umgang mit problematischen Pflegesituationen sowie Hinweise zu
konkreten Unterstützungs- und Entlastungsangeboten. Ein besonderer
Schwerpunkt liegt hierbei auf freiheitsentziehenden Maßnahmen. Mit
der Freiheitsbeschränkung eines pflegebedürftigen Menschen erfolgt
ein massiver Eingriff in seine persönlichen Rechte, der in den
allermeisten Fällen vermeidbar wäre. Im ZQP-Report werden häufige
Ursachen, aber auch alternative Lösungen zu freiheitsentziehenden
Maßnahmen aufgezeigt.
Zudem berichten Experten aus Wissenschaft und Praxis über typische
Erscheinungsformen problematischen Verhaltens und zeigen Wege auf,
wie sich Gewaltpotenziale im Pflegealltag reduzieren lassen. Die
Schrift richtet sich an alle Beteiligten in der Pflege:
Professionelle Fachkräfte, pflegende Angehörige aber auch
pflegebedürftige Menschen. Gefördert wurde der Themenreport durch das
Bundesfamilienministerium (BMFSFJ).
Die Stiftung leistet durch ihre Forschungsarbeit vielfältige
Beiträge zur Gewaltprävention in der Pflege. Neben der Publikation
von Fachinformationen führt sie gezielt Aufklärungs- und
Schulungsveranstaltungen durch. Für Rat- und Hilfesuchende hat das
ZQP darüber hinaus ein umfassendes Internetportal zur
Gewaltprävention in der Pflege entwickelt, das spezielle
Informationen für den akuten Notfall bereithält.
Mehr zum neuen ZQP-Themenreport auf www.zqp.de
Pressekontakt:
Torben Lenz
Tel: 030 275 93 95 - 15
E-Mail: torben.lenz@zqp.de
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Datum: 12.06.2015 - 11:05 Uhr
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