Kinder in Sierra Leone: Ausbeutung und frühe Schwangerschaften sind seit Ebola gestiegen

Kinder in Sierra Leone: Ausbeutung und frühe Schwangerschaften sind seit Ebola gestiegen

ID: 1226138
(ots) - Landesweit berichten Kinder in
Sierra Leone von vermehrter Ausbeutung und Gewalt gegen Mädchen und
Jungen seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie. Laut einem Gutachten von
Plan International, Save the Children und World Vision International
sind Kinderarbeit, die Anzahl von Schwangerschaften bei jungen
Mädchen und häusliche Gewalt drastisch gestiegen.

Über 1.100 Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 18 Jahren aus
neun Distrikten wurden zu den Auswirkungen von Ebola auf ihr Leben
befragt. Der von UNICEF unterstützte Bericht schildert die
persönlichen Erlebnisse und die Sorgen über die zerstörerischen
Langzeit-Effekte, die Ebola auf das Leben von Kindern hat. Er soll
der Regierung Sierra Leones helfen, die Sicht der Kinder und
Jugendlichen in eine Wiederaufbau-Strategie einfließen zu lassen.

Die Ursache für die vielfältigen Probleme, denen die Kinder
ausgesetzt sind, sehen die Befragten in der neunmonatigen
landesweiten Schließung der Schulen als Bekämpfungsmaßnahme gegen die
Ausbreitung des Virus. So benannten die meisten der 617 befragten
Mädchen als Grund für die zunehmenden Schwangerschaften den Verlust
des schützenden Schulumfelds. Erst seit dem 14. April 2015 sind
Schulen für die ca. 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler wieder
geöffnet.

Manche der Befragten (10% der Zielgruppe) berichteten von Mädchen
aus ihrem Umfeld, die im Austausch für Belange des täglichen Bedarfs
wie zum Beispiel Nahrungsmittel zu sexuellen Handlungen gezwungen
wurden.

Die Angst vor sexuellen Übergriffen teilten viele Kinder. Die
meisten kannten mindestens einen Fall von Vergewaltigung in ihrem
Umfeld, auch in den von der Ebola-Quarantäne betroffenen Haushalten.
Nicht nur Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren, sondern auch jüngere
Mädchen äußerten Angst davor, selbst Opfer zu werden. Auch die


befragten Jungen wussten um die Gefahr für ihre Schwestern und
Freundinnen. "Manche unserer Freundinnen werden vergewaltigt, wenn
sie weiter weg gehen, um Wasser zu holen. Andere ertrinken in den
Fluten", sagt ein Junge aus Kailahun.

Die Kinder äußern große Sorge über die Auswirkungen der sexuellen
Gewalt in ihrem Umfeld. Sie befürchten psychische Schäden sowie Angst
vor sexuell übertragbaren Krankheiten, schwere Verletzungen, zum Teil
mit Todesfolge, Diskriminierung und Stigmatisierung. "Der Bericht
bestätigt die ungeheure Belastung für das Leben der Kinder. Es wird
viel Zeit brauchen, bis sie sich wieder erholen. Die Auswirkungen
sind enorm", betont Casely Coleman von Plan International.

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen haben Vorschläge zur
Vermeidung der Teenager-Schwangerschaften, Ebola-Neuinfektionen,
Wiederaufbau des Gesundheitssystems und zur Stärkung der Einkommens-
und Nahrungssituation gemacht. Die Existenzgrundlage vieler Familien
wurde durch die Ebola-Krise zerstört, so dass sie sich unter anderem
den Schulbesuch ihrer Kinder nicht mehr leisten können.

Die drei Hilfsorganisationen fordern die Regierung Sierra Leones
dazu auf, die Sorgen und Vorschläge der Kinder und Jugendlichen in
die Wiederaufbau-Strategie des Landes einfließen zu lassen. "Was die
Kinder erzählt haben, sind Geschichten über vertane Chancen,
Ausbeutung und Missbrauch. Wenn der Wiederaufbau gelingen soll,
müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das bedeutet: Zugang
zu Bildung für alle und Unterstützung, um das verlorene Schuljahr
aufzuholen", mahnt Isaac Ooko von Save the Children.

Fast die Hälfte der Bevölkerung Sierra Leones ist unter 18 Jahre
alt. "Die Kinder haben gesprochen: Bildung, Zugang zu
Gesundheitsversorgung und ein sicheres Umfeld sind ihre Prioritäten.
Wir haben sie gehört und nun müssen wir entsprechend handeln",
fordert Leslie Scott von World Vision International.

Die Verfasser des Berichts fordern:

1. Umsetzung der Maßnahmen, um Ebola-Neuinfektionen zu verhindern
und Beginn der Wiederaufbauphase;

2. Zugang zu Bildung für alle Kinder; finanzielle Unterstützung
bei Schulgeld und Stipendien für Kinder, deren Eltern durch Ebola
verstorben sind;

3. Stärkung des Gesundheitssystems durch mehr und qualifiziertes
Personal, besonders auch in ländlichen Gegenden;

4. Beendigung der Kinderarbeit, Ausbeutung und
Teenager-Schwangerschaften durch Informationen an Eltern und
Gesellschaft; Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für arme
Familien, um Mädchen vor sexueller Ausbeutung zu schützen.

Multimedia-Link mit Zeichnungen, Fotos, Case Studies und
Film-Interviews finden Sie hier:
http://storycentral.savethechildren.org.uk/?c=30267&k=ee005ce405



Pressekontakt:
Plan International
Sabine Marxen, Pressereferentin
presse@plan.de
+49 40 61140 278

Save the Children Deutschland e.V.
Claudia Kepp, Pressesprecherin
Claudia.kepp@savethechildren.de
+ 49 30 275 959 79 28

World Vision International
Christian Kage, Pressereferent
Christian_Kage@wvi.org
Tel.: +49 6172 763-155

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Datum: 17.06.2015 - 08:57 Uhr
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Freetown, Sierra Leone



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