Hochschulen und Bologna-Prozess: Wissenschaftsministerin steckt Kopf in den Sand - GRÜNE: Freiräume nutzen
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Hochschulen und Bologna-Prozess: Wissenschaftsministerin steckt Kopf in den Sand - GRÜNE: Freiräume nutzen
"Der Bologna-Prozess muss zu mehr Qualität, einer höheren Mobilität und einer deutlich höheren Chancengerechtigkeit an den hessischen Hochschulen führen. Wir GRÜNE werden uns deshalb in einer Experten-Anhörung mit dem Thema beschäftigen, um dann konkrete Vorschläge zur Problemlösung machen zu können", kündigt Angela Dorn an. Die Anhörung wird am 9. Oktober im Hessischen Landtag stattfinden, also eine Woche vor der Konferenz der Kultusminister. "Es ist dringend notwendig, diese Diskussion endlich auch in Hessen zu führen. Leider verweigert sich die Ministerin bisher."
Kritikpunkte an der bisherigen Umsetzung Bolognareform
Ein großer Teil der Kritik an der bisherigen Ausgestaltung des "Bologna-Prozesses" konzentriert sich auf die Unflexibilität der Stundenpläne, auf die mangelnde Anerkennungspraxis von an anderen Hochschulen erworbenen Studienleistungen und auf die große Stofffülle der Studiengänge. "Dadurch sind die Belastungen der Studierenden massiv gestiegen. Studienbegleitendes Arbeiten für den Lebensunterhalt oder ehrenamtliches Engagement sind kaum mehr möglich. Von einem chancengerechten Zugang zur Hochschule, unabhängig von der sozialen Herkunft, sind unsere Hochschulen nun weiter entfernt als zuvor. Auch hat der Bologna-Prozess bisher nicht zu mehr sondern zu weniger Mobilität beigetragen: Die Zahl der Bachelor- und Masterstudierenden, die einen Auslandsaufenthalt in ihr Studium integrieren, ist gesunken statt gestiegen."
Ein großes bildungs- und gesellschaftspolitisches Problem stellen nach Auffassung der GRÜNEN auch die großen Hürden beim Übergang in die Masterstudiengänge dar. Bei weitem nicht für alle Studierenden, die nach dem Bachelorabschluss noch einen Masterstudiengang draufsatteln wollten, stehe ein Studienplatz zur Verfügung. Auch müssten die Studienabsolventinnen und -absolventen immer noch um Akzeptanz in der Wirtschafts- und Arbeitswelt kämpfen. Die Qualität der Bachelor- und Masterstudiengänge müsse gesichert werden. Bezüglich der Abschlussquote sei die fehlende Geschlechtergerechtigkeit alarmierend. "Während laut Hochschulrektorenkonferenz der Frauenanteil im Bachelor-Bereich mit 46,9 Prozent nur unwesentlich unter dem Anteil der Frauen unter allen Studierenden von 47,7 Prozent liegt, haben die Masterstudiengänge nur einen Frauenanteil von 38 Prozent zu verzeichnen."
GRÜNE Vorschläge zur Reform der Reform
DIE GRÜNEN schlagen die Einrichtung eines Runden Tisches zur nötigen "Reform der Reform" vor. "Die Kritik kommt inzwischen vor allen Seiten. Studierende, Professorinnen und Professoren, Hochschulverbände, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sollten deshalb an einen Tisch geholt werden, um zu besprechen, wie Abhilfe geschaffen werden kann. "Wir brauchen neue Perspektiven für diese Studiengänge, so dass der Bachelor eine Grundqualifizierung für die Berufswelt bietet. Gleichzeitig müssen aber genug Kapazitäten für alle, die einen Master an ihren Bachelor anschließen möchte, geschaffen werden. Für erleichterte Mobilität an andere deutsche oder europäische Hochschulen ist eine flexiblere Anerkennungspraxis nötig. Zudem sind während des Studiums mehr Freiräume und eigene Schwerpunktbildungen notwendig. Wir wollen keine verschulten Studiengänge, die Scheuklappen-Studierende hervorbringen, sondern wir brauchen qualifizierte, kritisch und kreativ denkende Köpfe", skizziert Angela Dorn die wichtigsten Forderungen.
In der mit dem europäischen Hochschulraum verbundenen Hochschulentwicklung bejahen DIE GRÜNEN die gewonnene Autonomie der Hochschulen, warnen aber, dass Autonomie kein Wert an sich, sondern demokratisch und verantwortungsvoll zu gestalten sei. "Hochschulen dürfen nicht mit Unternehmen verwechselt werden. So erschließt sich für die Akkreditierungspraxis der Wert der Grundlagenforschung, der Geisteswissenschaften und der so genannten 'Orchideenfächer' nicht in der Marktlogik, aber in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Deshalb ist es auch so wichtig, dass in den Akkreditierungsräten die Akteure die Gesamtgesellschaft abbilden und transparenter arbeiten." betont Angela Dorn.
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Datum: 29.09.2009 - 14:34 Uhr
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