WDR/NDR/SZ:
Mehr als ein Dutzend "Anwerberinnen" locken Mädchen aus Deutschland zum Islamischen Staat
ID: 1229815
Sperrfrist: 25.06.2015 05:00
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Junge Frauen werden gezielter und systematischer für den
selbsternannten Islamischen Staat angeworben, als bislang bekannt.
Das ergeben Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung. Laut
Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz sind den deutschen
Sicherheitsbehörden mittlerweile "rund ein Dutzend Anwerberinnen"
bekannt, die Frauen aus Deutschland für den IS rekrutieren. Die
Dunkelziffer sei noch höher.
Gezielt suchen die "IS-Anwerberinnen" nach jungen Frauen, um sie
mit "IS-Kämpfern" zu verheiraten. Die oft Minderjährigen sollen dem
Kalifat Kinder gebären. Die Anwerbung läuft über soziale Netzwerke.
So werden offenbar Facebookprofile junger Mädchen gezielt
durchsucht: "Es ist so, dass diese jungen Frauen die
Lebenswirklichkeiten und Lebensträume potenzieller Personen kennen
und versuchen, genau darauf zu reagieren.", beschreibt Dr. Marwan
Abou-Taam, Islamwissenschaftler des Landeskriminalamtes
Rheinland-Pfalz, die Strategie der "Anwerberinnen".
Den Reportern von WDR, NDR und SZ liegen Chatprotokolle vor, die
zeigen, dass die "Anwerberinnen" ebenso subtil wie manipulativ auf
ihr Gegenüber einwirken. Eine 21-jährige aus dem Rheinland beschreibt
in ihren Nachrichten an eine junge Frau den Islamischen Staat als
heile Welt mit selbstgebackenen Kuchen und spielt gleichzeitig die
alltäglichen Bombenangriffe herunter.
Nach WDR/NDR/SZ-Recherchen geht das Netzwerk dabei
grenzüberschreitend vor: So gibt es offenbar eine Zusammenarbeit von
bereits nach Syrien und den Irak ausgereisten Frauen und in
Deutschland agierenden Unterstützerinnen. Ein internes Papier der
deutschen Sicherheitsbehörden spricht von einem "Mädchennetzwerk".
Die "Anwerberinnen" innerhalb dieses Netzwerkes unterstützen die
Frauen nach erfolgreicher Rekrutierung unter anderem bei den
Vorbereitungen für die Ausreise und bieten logistische Hilfe an. Sie
geben Tipps, um die Abreise und die Beweise für die Rekrutierung zu
verschleiern, empfehlen Routen und vermitteln Kontakte an den
verschiedenen Zwischenstationen in den IS. Rund 100 Frauen aus
Deutschland sollen bislang dorthin gereist sein. Mehr als die Hälfte
war zum Ausreisezeitpunkt jünger als 25 Jahre, etwa jede sechste
sogar minderjährig.
In Syrien werden die Frauen bereits erwartet: Die Recherchen
belegen, dass der Islamische Staat in der syrischen Metropole Raqqa
ein schwerbewachtes Frauenhaus betreibt. Mehrere Quellen berichten,
ankommende Frauen würden dorthin gebracht, eingesperrt und ihren
zukünftigen Ehemännern zugeführt.
"Im Grunde genommen sind sie nur sexuelle Verfügungsmasse. Sie
sitzen den ganzen Tag zuhause, langweilen sich, dürfen nichts tun
ohne die Erlaubnis des Ehemanns", beschreibt Claudia Dantschke die
Realität vor Ort. Die Leiterin der Islamismus-Beratungsstelle
"Hayat" betreut die Angehörigen von mehr als 150 ausgereisten
Dschihadisten: "Meistens sitzen sie da und chatten mit Mädchen.
Weitere Mädchen zu rekrutieren ist dann ihre neue Rolle, ihre neue
Erfüllung. Ein Schneeballeffekt."
Mehr zu den Recherchen von WDR,NDR und SZ in der
ARD-Sondersendung "Bräute für das Kalifat. Wie der IS deutsche
Mädchen anwirbt", Donnerstag, 22.45 Uhr, ARD
Pressekontakt:
Annika Hoffmann, WDR Presse und Information,
Tel. 0221 220 7100, annika.hoffmann@wdr.de
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