Schwäbische Zeitung: Europa ist mehr als Griechenland - Leitartikel
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Martin Schulz (SPD) und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in
Brüssel verbreiten, wirkt deplatziert. Denn bei all den Beratungen
über einen Ausweg aus der griechischen Krise droht vielen Lenkern und
Denkern in der EU inzwischen der Blick auf das Gesamtkunstwerk Europa
verloren zu gehen. Sicher, es wäre schön, wenn die Griechen dabei
blieben. Aber wie ist es gegenüber sparsamen EU-Bürgern in Lettland,
der Slowakei oder Portugal zu vertreten, dass man sich seit Monaten
mit kaum etwas anderem beschäftigt, als ein Land in der EU zu halten,
dessen Politiker das Blaue vom Himmel versprechen und nicht an ihre
Versprechen von gestern erinnert werden wollen? Wenn Brüssel so
weitermacht, könnte die Euphorie vieler Europäer für die europäische
Idee in zersetzende Frustration umschlagen. Dabei ist diese
europäische Idee zu groß, ihre wirtschaftliche und kulturelle
Bedeutung zu gewaltig, als dass man wegen eines liebenswerten aber
schludrigen Landes an der Südostgrenze immer so weitermachen könnte
mit den ergebnislosen Krisengipfeln. Jeder Lehrer weiß, wenn er sich
nur um die Problemfälle in der Schulklasse kümmert, werden die Besten
und die Strebsamen sich irgendwann langweilen und den Unterricht
stören. Die Angst der EU-Politiker, ein Grexit könne andere Austritte
aus dem Kreis der EU-Länder nach sich ziehen, darf nicht zur Lähmung
führen. Die deutsche Kanzlerin mit ihrem Sensorium für Volkes
Stimmung scheint zu merken, dass eine weitere Rettungsrunde für die
Hellenen in Deutschland und in der Unionsfraktion im Bundestag kaum
durchsetzbar wäre. Europa hat große Aufgaben vor sich: bei der
Bewältigung der Flüchtlingskrise, im Umgang mit Russland und der
Ukraine, bei den Verhandlungen mit den USA über das transatlantische
Freihandelsabkommen. Führt man sich diese Herausforderungen vor
Augen, schrumpft die Griechenland-Krise auf eine realistische und
erträgliche Größe.
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Schwäbische Zeitung
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Datum: 25.06.2015 - 20:17 Uhr
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