Unruhe in Europa macht Mittelstand nervös

Unruhe in Europa macht Mittelstand nervös

ID: 1236328
(ots) -

- Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen gibt im
Juni spürbar nach
- Schlechtere Stimmung vor allem in den exportsensitiven Branchen

Die Unruhe in Europa angesichts des Verhandlungsdramas mit
Griechenland hinterlässt Spuren. Der deutsche Mittelstand zeigt
Nerven und startet mit einem spürbaren Stimmungsdämpfer in den
Sommer, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer belegt: Das
Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen fällt im Juni um
1,3 Zähler auf 14,4 Saldenpunkte. Beide Komponenten sind im Minus:
Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verschlechtert sich um
2,1 Zähler auf 22,1 Saldenpunkte. Der Ausblick trübt sich leicht ein,
die Erwartungen der Mittelständler sinken um 0,5 Zähler auf 6,4
Saldenpunkte.

Beim Blick in die Branchen zeigt sich: Die
Stimmungsverschlechterung im Mittelstand ist ausschließlich auf die
relativ kräftige Klimaeintrübung im Verarbeitenden Gewerbe und im
Großhandel zurückzuführen - ein starkes Indiz, dass sie in erster
Linie auf das europäische und internationale Umfeld zurückzuführen
ist, da beide Wirtschaftsbereiche exportsensitiv sind. Demgegenüber
zieht das Geschäftsklima im mittelständischen Einzelhandel auf
bereits sehr hohem Niveau nochmals leicht (+0,1 Zähler auf 21,2
Saldenpunkte) und beim Bau sogar kräftig an (+2,7 Zähler auf 21,3
Saldenpunkte). Damit führen die beiden am stärksten auf die
Binnenwirtschaft ausgerichteten Branchen die Stimmungstabelle im Juni
mit großem Abstand an und belegen so einmal mehr die gute Verfassung
der heimischen Nachfrage.

Bei den Großunternehmen hält sich der Rückgang des Geschäftsklimas
im Juni in Grenzen (-0,7 Zähler auf 12,6 Saldenpunkte). Zwar bewerten
sie ihre aktuelle Lage ebenfalls merklich schlechter (-3,0 Zähler auf


20,3 Saldenpunkte). Im Unterschied zum Mittelstand sind die großen
Firmen aber immerhin wieder etwas optimistischer als im Vormonat:
Ihre Erwartungen verbessern sich um 1,4 Zähler auf 4,6 Saldenpunkte.
Daraus spricht wohl die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft im weiteren
Jahresverlauf etwas an Dynamik gewinnen kann, nachdem die USA ihre
konjunkturellen Startschwierigkeiten überwunden haben. Zudem wirkt
die Euroabwertung nach.

"Wir erwarten für Deutschland in diesem Jahr ein ordentliches
Realwachstum von 1,5 %. Die Klimaeintrübung im Juni ändert daran
grundsätzlich nichts. Vielmehr sehen wir uns mit unserer relativ
vorsichtigen Prognose gut auf Kurs", sagt Dr. Jörg Zeuner,
Chefvolkswirt der KfW. Der Ausblick für Europa und Deutschland werde
allerdings mit dem de facto Zahlungsausfall Griechenlands gegenüber
dem IWF und den anstehenden schwierigen Verhandlungen nach dem
Nein-Ergebnis im Referendum zunehmend unsicherer. "Bislang haben
Firmen und Finanzmärkte im Vertrauen auf die etablierten
Stabilisierungsinstrumente wie den ESM und die Stützungspolitik der
EZB gelassen reagiert - das muss nicht so bleiben. Konjunkturell wird
entscheidend sein, ob die Firmen trotz der Unruhe den gerade
gewonnenen Mut zu Investitionen nicht schon wieder verlieren.
Eigentlich sind die Bedingungen gut: Der Konsum brummt, die Zinsen
sind niedrig und zumindest die großen Euroländer sind zurück in der
Wachstumsspur."

Das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist abrufbar unter:
www.kfw.de/mittelstandsbarometer.



Pressekontakt:
KfW, Palmengartenstr. 5 - 9, 60325 Frankfurt
Kommunikation (KOM) Christine Volk
Tel. +49 (0)69 7431 3867, Fax: +49 (0)69 7431 3266,
E-Mail: Christine.Volk@kfw.de, Internet: www.kfw.de

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