NRZ: Selbstmörderischer Schmusekurs - ein Kommentar von JAN JESSEN
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Dankbarkeit und keine Loyalität erwarten. Der Hund wird zubeißen, es
ist nur eine Frage der Zeit. Die Türkei hat die Fanatiker des
"Islamischen Staates" lange Zeit unterstützt, sie unbehelligt nach
Syrien einreisen lassen, ihre verletzten Kämpfer medizinisch
versorgt, ihnen offenbar sogar Waffen und militärische Aufklärung
geliefert. Der IS und andere dschihadistische Gruppen waren für
Ankara ein probates Mittel, das verhasste Assad-Regime zu stürzen und
eine unabhängige, sozialistisch geprägte Kurdenregion an der
südlichen Grenze zu verhindern. Noch heute sind sie für Präsident
Erdogan und die türkische Regierung ein geringeres Übel als ein
freies Kurdistan. Dass das nicht gut gehen kann, war klar. Die
Geschichte zeigt, dass sich Dschihadisten einen Dreck darum kümmern,
wer sie unterstützt hat, das mussten auch die Saudis schmerzhaft
erfahren. Jetzt trägt der IS den Krieg in die Türkei, das grauenhafte
Attentat von Suruc wird nicht das letzte bleiben. Es hat sich gegen
junge Menschen gerichtet, die beim Aufbau des zerstörten
syrisch-kurdischen Kobane helfen wollten. Der Anschlag wird die
Spannungen zwischen Kurden und Türken wieder anheizen und den ohnehin
äußerst fragilen innertürkischen Friedensprozess noch mehr
beschädigen. Bitter ist auch, dass es noch kein deutscher
Regierungspolitiker gewagt hat, öffentlich den selbstmörderischen
Schmusekurs des Nato-Partners Türkei gegenüber dem IS zu kritisieren
- obwohl der auch die Sicherheit der in der Türkei stationierten
Bundeswehr-Soldaten gefährdet.
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Datum: 21.07.2015 - 17:27 Uhr
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