Lausitzer Rundschau: Einseitige Solidarität
Zur Haltung der Nato gegenüber dem Bündnismitglied Türkei
ID: 1243828
Nato-Mitglied Türkei eine Rüge für sein Vorgehen gegen die Kurden
würde abholen müssen. So gehen die Verbündeten im Hauptquartier der
Allianz nicht miteinander um. Etwas mehr als versteckte Kritik hinter
verschlossenen Türen hätte es aber schon sein müssen, um den
türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan von seiner innenpolitisch
begründeten, kurzsichtigen Strategie abzubringen, nach dem tödlichen
Anschlag von Suruc in der Vorwoche sowohl Stellungen des Islamischen
Staates als auch kurdische PKK-Kämpfer unter Beschuss zu nehmen. Das
ist inhaltlich durch nichts zu begründen: Mit den Kurden, die auf
einen unabhängigen Staat dringen, gab es seit dem Jahr 2013 eine
Waffenruhe und einen Friedensprozess; mit dem IS, der die Region ins
Mittelalter zurückbomben will, scheint Frieden unmöglich. Dass die
Nato offiziell nur Solidarität mit der türkischen Regierung bekundet,
aber zu den Angriffen auf die Kurden schweigt, könnte sich noch
rächen. Um nämlich der Gotteskrieger Herr zu werden, müssten Türken
und Kurden gemeinsame Sache machen. Ihr Friedensprozess ist für die
Stabilität der gesamten Region daher von größter Bedeutung. Auch die
USA, die sich in ihrer ersten Freude über das verstärkte Engagement
Ankaras gegen den IS auf Seite der Türken geschlagen haben, sollten
das erkennen. Es liegt nun an den Europäern in der Nato, die in der
Brüsseler Krisensitzung vom Dienstag nur leise protestiert haben,
dies ihren Verbündeten in Washington und Ankara deutlich lauter als
bisher nahezubringen. Sonst ist die Nato selbst naiv.
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Datum: 28.07.2015 - 20:11 Uhr
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