Südwest Presse: KOMMENTAR · KITA-TARIFSTREIT
ID: 1248057
Das klare Nein der Gewerkschaftsmitglieder zum Schlichterspruch im
Kita-Streit kommt alles andere als überraschend. Die Spitzen von
Verdi und Co. hatten die Erwartungen mit einer Zehn-Prozent-Forderung
weit nach oben geschraubt. Dass sich die Mitarbeiter im Sozial- und
Erziehungsdienst dann nicht einfach mit durchschnittlich 3,2 Prozent
abfinden werden, muss den Gewerkschaften bereits klar gewesen sein,
bevor sie zum Mitgliedervotum geblasen haben. Zumal die wochenlangen
Streiks die einmal geweckten Hoffnungen noch vergrößert haben.
Insbesondere Verdi-Chef Bsirske steckt nun im Dilemma. Im September
will er sich auf einem Bundeskongress für weitere vier Jahre im Amt
bestätigen lassen. Zwar sägt niemand an seinem Stuhl. Ein aus Sicht
der Basis enttäuschendes Schlichtungsergebnis hätte aber nicht in das
Bild vom durchsetzungsstarken Gewerkschaftsführer gepasst, den
Bsirske gerade gerne gibt. Nur fragt man sich, warum die Verdianer in
der Schlichtungskommission dem Kompromiss dann überhaupt zugestimmt
haben. Mit seiner Forderung nach "substanziellen Verbesserungen"
könnte sich Bsirske vollends verrennen. Denn bei den kommunalen
Arbeitgebern geht der Wille, wieder von vorne anzufangen, gegen Null.
Also bleibt nur das Mittel weiterer Kita-Streiks. Doch je länger
diese gehen und je aussichtsloser sie werden, desto mehr wird das
Verständnis der Betroffenen bröckeln. Das Anliegen, Erzieherinnen
besserzustellen, ist richtig und wichtig. Bsirske muss jedoch gewusst
haben, dass dies nur in mehreren Schritten möglich ist. Wie er aus
der Nummer wieder herauskommen will, ist schleierhaft.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 09.08.2015 - 18:38 Uhr
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