Südwest Presse: KOMMENTAR · ANGELA MERKEL
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Nun also doch: Heute wird Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst ins
sächsische Heidenau reisen, um dort Asylbewerber und Helfer vor Ort
zu treffen. Spät und getrieben vom Druck der Öffentlichkeit und des
politischen Gegners. Eine Premiere: Noch nie während ihrer Amtszeit
hat die Kanzlerin ein Flüchtlingsheim besucht. Daraus nun den - in
der Diskussion zumindest angedeuteten - Vorwurf zu formulieren,
Angela Merkel verurteile den Terror des dumpfen Mobs gegen
Flüchtlinge nicht, ist unfair und dumm. Niemand zweifelt daran, dass
die Kanzlerin ebenso empört und schockiert ist wie die meisten
Deutschen. Aber der zögerliche Gang an die Öffentlichkeit offenbart
die größte politische Schwäche Angela Merkels: Ihr fehlt der Mut zur
Symbolik, zu klaren Worten, zum ersten Schritt. Der riesige Strom der
Flüchtlinge und die mit ihm einhergehenden Probleme sind nicht allein
ein Fall für Bürgermeister oder Landräte. Es ist Aufgabe der
Regierungschefin, den Deutschen zu zeigen, dass wir bereit sind,
diese Herausforderung zu meistern und es nicht hinnehmen, wenn
Unterkünfte brennen oder Flüchtlinge angegriffen werden. Angela
Merkel hätte als erste Partei ergreifen müssen. Doch solche
Entschiedenheit widerstrebt der Taktiererin zutiefst. Sie handelt
erst, wenn sie muss. In Brüsseler EU-Runden mag das sinnvoll sein -
dieses Mal hat sie den richtigen Zeitpunkt verpasst.
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Ulrike Sosalla
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Datum: 25.08.2015 - 18:48 Uhr
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