A.T. Kearney: Deutsche Banken müssen die Realwirtschaft stärker unterstützen
ID: 1272713
Die Welt unserer Kinder" mit Beiträgen führender Bankenvertreter
Die deutschen Kreditinstitute stecken tief in der Krise. Während
Industrie-Unternehmen Wachstumsraten bis zu sechs Prozent pro Jahr
erzielen, stagnieren die Geschäfte der Banken. Gleichzeitig erwarten
Firmenkunden und Privatanleger eine stärkere Förderung durch die
Finanzbranche. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Wer wird
unsere Zukunft finanzieren?" von A.T. Kearney. "Die Banken müssen zum
Beispiel ihr internationales Geschäft ausweiten, damit sie wieder
wachsen können", sagt Andreas Pratz, Partner bei A.T. Kearney und
Leiter der Financial Institutions Group für Deutschland, Österreich
und die Schweiz.
Die Publikation ist Teil der Initiative "Deutschland 2064 - Die
Welt unserer Kinder", die A.T. Kearney im vergangenen Jahr gestartet
hat. Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Unternehmensberatung in
Deutschland untersuchen führende Experten, welche politischen,
sozialen und ökonomischen Entwicklungen in den kommenden 50 Jahren zu
erwarten sind.
Beiträge für die Studie zum Finanzsystem im Jahr 2064 lieferten
Andreas Dombret, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank,
Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und
Giroverbandes (DSGV), Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der
Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Michael Kemmer,
Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB),
Valentin Stalf, CEO und Co-Founder von Number 26, Hans Joachim
Reinke, Vorstandsvorsitzender der Union Investment Gruppe, und Jan
Rinnert, Vorsitzender der Geschäftsführung von Heraeus.
Ein Ergebnis der Erhebung: Bei der Globalisierung liegen die
Banken weit hinter der Industrie zurück. Die deutschen
Großunternehmen und viele Mittelständler erzielten längst 40 bis 70
Prozent ihrer Umsätze im Ausland. Die Kreditinstitute machten ihre
Geschäfte jedoch im Mittel nur zu rund einem Viertel jenseits der
deutschen Grenzen. "Der Bedarf für eine begleitende Unterstützung bei
der Globalisierung ist eindeutig da", stellt Finanzexperte Achim
Kaucic von A.T. Kearney fest.
Infolge der globalen Finanzkrise werden die Banken heute
wesentlich schärfer reguliert als zuvor. Daher wanderten riskante
Geschäfte vielfach zu Schattenbanken wie Geldmarktfonds und
Hedgefonds ab, so das Fazit der Studie. "Vom Schattenbankensystem
können systemische Risiken ausgehen, die das gesamte Finanzsystem
gefährden", warnt Pratz. Diese Institute müssten daher global
reguliert und überwacht werden.
Die Banken verlören für die Realwirtschaft immer mehr an
Bedeutung, so die Unternehmensberater. Noch im Jahr 2000 finanzierten
die deutschen Unternehmen ihre Investitionen zu rund 97 Prozent mit
langfristigen Bankkrediten; Anleihen machten damals nur drei Prozent
aus. Bis 2013 sei der Anteil von Unternehmensanleihen an der
langfristigen Finanzierung jedoch auf 37 Prozent gestiegen. In
absehbarer Zukunft könne dieser Anteil auf rund 50 Prozent ansteigen.
Zudem hat die Studie ergeben: Auch in der Digitalisierung besteht
Nachholbedarf. "Weltweit geben Finanzdienstleister rund 485
Milliarden US-Dollar größtenteils für das upgraden alter IT-Systeme
aus, anstatt in die Entwicklung neuer Produkte, Geschäftsmodelle und
die Digitalisierung zu investieren," so Kaucic. "Gleichzeitig gibt es
neue Spieler im Markt, die durch viel Geld - von branchenfremden
Unternehmen sowie durch Venture Capital oder Finanzinvestoren - mit
mehr als 24 Milliarden US-Dollar unterstützt werden."
Auch Sparer und Privatkunden benötigen der Studie zufolge mehr
Unterstützung durch die Banken. Millionen Bürgern drohe Altersarmut,
wenn Staat und Finanzwirtschaft keine neuen Lösungen für die
Altersvorsorge schafften. Große Teile des Finanzvermögens seien
zinsarm angelegt.
"Die Banken sollten Privatanlegern ein stärkeres Engagement in der
Wirtschaft und damit an deren Wachstum schmackhaft machen", empfiehlt
Pratz. Als Alternative verweist der Finanzexperte auf das Beispiel
Norwegen, das einen staatlichen Pensionsfonds aufgebaut hat. "Mit der
Kompetenz der Finanzwirtschaft und der Fürsorgetradition des Staates
könnte hier ein Erfolgsmodell für Deutschland geschaffen werden."
Über A.T. Kearney
A.T. Kearney zählt zu den weltweit führenden
Unternehmensberatungen für das Top-Management und berät sowohl global
tätige Konzerne als auch führende mittelständische Unternehmen und
öffentliche Institutionen. Mit strategischer Weitsicht und operativer
Umsetzungsstärke unterstützt das Beratungsunternehmen seine Klienten
bei der Transformation ihres Geschäftes und ihrer Organisation. Im
Mittelpunkt stehen dabei die Themen Wachstum und Innovation,
Technologie und Nachhaltigkeit sowie die Optimierung der
Unternehmensperformance durch das Management von Komplexität in
globalen Produktions- und Lieferketten. A.T. Kearney wurde 1926 in
Chicago gegründet. 1964 eröffnete in Düsseldorf das erste Büro
außerhalb der USA. Heute beschäftigt A.T. Kearney rund 3.500
Mitarbeiter in über 40 Ländern der Welt. Seit 2010 berät das
Unternehmen Klienten klimaneutral.
Weitere Informationen finden Sie unter www.atkearney.de und auf
Facebook: www.facebook.com/atkearney.de.
Pressekontakt:
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Datum: 08.10.2015 - 09:00 Uhr
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