Mit Charles Darwin & Evolution zu optimal abgestimmter Software
ID: 1280704
Beim Schweizer Taschenmesser geht es einfach – beim Smartphone ist es komplizierter: die Funktionalität der einzelnen Komponenten aufeinander abzustimmen. Jede Komponente – wie Kamera, Akku oder App – hat ihre eigene Software und deren Abstimmung aufeinander ist selbst heute noch eher dem Zufallsprinzip überlassen. Ganz besonders eklatant wird dieses Problem bei Produktfamilien, bei denen die Software eines Produkts (wie zum Beispiel ein Smartphone) auch für viele andere Produkte (Tablet) verwendet wird. Diese Software in der Entwicklungsphase richtig abzustimmen hat sich Roberto Erick Lopez-Herrejon von der Johannes Kepler Universität Linz in einem Projekt des Lise Meitner-Programms des FWF zum Ziel gemacht – mit spannenden Ergebnissen, die nun in mehreren internationalen Publikationen veröffentlicht wurden.
Suchen & Finden
Zu den Hintergründen des Projekts meint Lopez-Herrejon: "Die Anpassung von Software aneinander ist hoch komplex. Die nahezu unendlich vielen Möglichkeiten wie diese interagieren sind unüberblickbar. Die Probleme, die auftauchen können sind also gar nicht alle vorhersehbar – und genau deswegen sucht man nach Lösungen diese zu vermeiden. Dabei wird trotz des enormen Zeitdrucks bei der Entwicklung noch immer auf die Leistung individuellen Fachpersonals gesetzt, anstatt den Prozess zu automatisieren. Wir haben nun nach Wegen gesucht, diesen Optimierungsprozess durch Einsatz intelligenter Algorithmen zu automatisieren."
Einer dieser Wege nennt sich "Search Based Software Engineering" und basiert auf metaheuristischen Methoden, einem näherungsweisen Verfahren, das allgemeingültige Lösungen in unüberschaubaren Problemen schafft. Selbst wenn das Wissen über die Struktur der Software nur teilweise bekannt ist, können dennoch Lösungsszenarien berechnet werden, die zwar nicht unbedingt das absolute Optimum darstellen, in der Praxis die Breite aber ausreichend gut abdecken – und mit überschaubarer Rechnerleistung kalkuliert werden können.
Natürliche Lösung
"Wir haben nun in unserem Projekt Algorithmen entwickelt, die sich an Prozessen der natürlichen Evolution orientieren", erläutert Lopez-Herrejon den besonderen Ansatz des Projekts und fährt fort: "Darin werden Prinzipien der Vererbung und von Mutationen genauso abgebildet wie Selektion. So erhalten wir näherungsweise Lösungsansätze, die sich in der Realität bewähren."
Ein spezielles Problem, dem sich das Team um Lopez-Herrejon widmete, war das Kontrollieren der Richtigkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit solcher Software. Dabei werden Softwareteile (auch Komponenten genannt), daraufhin kontrolliert, ob und wie sie mit anderen Komponenten integrierbar sind um eine falsche Verwendung zu vermeiden. Dies ist eine zwingende Voraussetzung für die reibungslose Komponenteninteraktion innerhalb eines Softwareprodukts. Das Team konnte dabei einen allgemeinen Ansatz entwickeln, der diese Kontrolle (auch Consistency Checking genannt) für die gesamte Familie von Softwareprodukten (also allen Komponentenkombinationen auf einmal) erlaubt – und zwar bereits in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung dieser Software. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem etwaige Korrekturen noch ohne viel Aufwand möglich sind.
Liniengetreu
Für Lopez-Herrejon war es ganz klar, den Fokus des Projekts auf ganze Familien von Softwareprodukten zu legen: "Eine Softwarefamilie, auch als Software Product Line bezeichnet, ist eine Art modulares System, wo ein Softwareprodukt auf kombinierbaren Komponenten aufbaut. Und da manche dieser Komponenten öfter in Softwareprodukten verwendet werden, sind diese bereits zuverlässiger und können mit weniger Testen in neuen Softwareprodukten wiederverwendet werden. Das verkürzt die Entwicklungszeit von neuen Produkten enorm und beschleunigt den Markteintritt." Gleichzeitig muss aber gerade bei Software Product Lines die Abstimmung der Komponenten sehr sorgfältig geplant werden, denn oftmals wurden ja diese Bestandteile zunächst für eine andere Umgebung (wie Smartphones) entwickelt – und die "Zusammenarbeit" mit anderen Softwarekomponenten in einer neuen Umgebung (wie Tablets) kann dann voller Überraschungen sein. Oder nicht, wenn die in diesem FWF-Projekt entwickelten Algorithmen zukünftig bei der Entwicklung zum Einsatz kommen.
Zur Person
Roberto Erick Lopez-Herrejon forscht am Institut für Software Systems Engineering der Johannes Kepler Universität Linz. Seine Forschung befasst sich u.a. intensiv mit Software Product Lines, der modellbasierten Entwicklung von Software, Softwareaufbau und -architektur sowie dem Consistency Checking. Im Rahmen seiner Karriere erhielt er bisher ein Fulbright Stipendium, ein Fellowship der University of Oxford, ein IEF Marie Curie Fellowship sowie Unterstützung aus dem Lise Meitner-Programm des Wissenschaftsfonds FWF.
Publikationen:
An assessment of search-based techniques for reverse engineering feature models. R. E. Lopez-Herrejon, L. Linsbauer, J. A. Galindo, J. A. Parejo, D. Benavides, S. Segura & A. Egyed. The Journal of Systems and Software 103 (2015): 353–369
Applying multiobjective evolutionary algorithms to dynamic software product lines for reconfiguring mobile applications. G. G. Pascual, R. E. Lopez-Herrejon, M. Pinto, L. Fuentes & A. Egyed. The Journal of Systems and Software 103 (2015): 392–411
A systematic mapping study of search-based software engineering for software product lines. R. E. Lopez-Herrejon, L. Linsbauer & A. Egyed. Information and Software Technology 61 (2015): 33–51
Bild und Text ab Dienstag, 27. Oktober 2015, ab 10.00 Uhr MESZ verfügbar unter: http://scilog.fwf.ac.at
Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Roberto Erick Lopez-Herrejon
Johannes Kepler Universität Linz
Institut für Software Systems Engineering
Altenbergerstraße 69
4040 Linz
T +43 / 732 / 2468 - 4387
E roberto.lopez@jku.at
W http://www.jku.at
Der Wissenschaftsfonds FWF:
Marc Seumenicht
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E marc.seumenicht@fwf.ac.at
W http://www.fwf.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung
Mariannengasse 8
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 70 44
E contact@prd.at
W http://www.prd.at
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PRD
Datum: 27.10.2015 - 11:52 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1280704
Anzahl Zeichen: 6892
Kontakt-Informationen:
Kategorie:
Sonstiges
Meldungsart: Erfolgsprojekt
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 27.10.2015
Diese Pressemitteilung wurde bisher 608 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mit Charles Darwin & Evolution zu optimal abgestimmter Software"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
FWF - Der Wissenschaftsfonds (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Unternehmensinteressen und Menschenrechten gleichermaßen Rechnung zu tragen, ist ein schwieriges Unterfangen. Ein geeigneter Weg zur Lösung von Konflikten können außergerichtliche Verfahren sein, wie ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Projekt belegt. Seit einigen Jahren stehen Unter
Dem Frust-Gusto auf der Spur ...
Während Angst und Aggression uns eher den Appetit verderben, scheinen Trauer und Frustration Gusto und Gier zu steigern. Ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Projekt betrachtet die Zusammenhänge von Stimmung und Überessen bei gesunden und bulimischen Probandinnen. Wir kennen die Vorfre
Wie man eine Proteinfalle schmiedet ...
Wer wirksame Moleküle im Labor nachbauen kann, öffnet die Apotheke der Natur für Medikamente der Zukunft. Mit der Prüfung neu entwickelter Synthese-Prozesse und Katalysatoren ist es in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF gelungen, den vielversprechenden Naturstoff Brefeldin A schneller und
Weitere Mitteilungen von FWF - Der Wissenschaftsfonds
Sushi-Highlight für nur 1 Cent – am 18. Mai in Ludwigsburg! ...
Ein besonderes Genuss-Erlebnis wartet auf alle Sushi-Fans: Am Montag, den 18.05.2026, zwischen 17:00 und 19:00 Uhr, gibt es in unserer Filiale in der Friedrichstraße 25, 71638 Ludwigsburg eine Sushi-Box für sensationelle 1 Cent! Kontaktdaten Stefan Gliemann Chief Marketing Officer marketi
Zeitlose Eleganz aus Meisterhand: WYCO, Wyss + Co. AG definiert die Zukunft des Schweizer Wohndesigns neu ...
In einer Ära der Kurzlebigkeit setzt die WYCO, Wyss + Co. AG ein deutliches Zeichen für Beständigkeit und höchste handwerkliche Qualität. Als feste Institution in der Zürcher Designlandschaft präsentiert das Unternehmen eine Vision für modernes Wohnen, die tief in der Schweizer Tradition ver
Studie zur Digitalisierung der Lebensberatung: Datenbasierte Ansätze gewinnen an Bedeutung ...
GREVEN, 26. April 2026 – Die Nachfrage nach qualifizierter telefonischer Lebensberatung folgt im Jahr 2026 einem klaren Trend zur Professionalisierung. Aktuelle Erhebungen des Portals Tarotstar.de belegen eine signifikante Verschiebung der Nutzerpräferenzen hin zu methodisch fundierten Analysen.
Vom Megawatt zur Beteiligung: RenewBee öffnet den Energiespeichermarkt für Privatanleger ...
Berlin / Stockholm, [24.04.2026] — Berliner Unternehmen bringt erste Batteriespeicher in Schweden ans Netz und erzielt bereits erste Erlöse – nächster Schritt: Skalierung in größere Projekte Während die Branche von Batterieprojekten im Bereich von 20, 50 oder sogar 100 MW geprägt ist,
China ESG Gala 2026 in Peking abgehalten: „Mit Verantwortung führen und auf die Zeit reagieren“, gemeinsam ein neues Kapitel nachhaltiger Entwicklung aufbauen ...
Am 31. März fand in Peking die China ESG Gala 2026 statt, veranstaltet von der China Media Group (CMG). Die Veranstaltung fand im ersten Jahr der Periode des 15. Fünfjahresplans statt und stand unter dem Motto „Mit Verantwortung führen und auf die Zeit reagieren“. Sie war eng an den nationa
Osterfeuer 2026 in Potsdam Groß Glienicke ...
Osterfeuer 2026 in Potsdam Groß Glienicke 04.04.26 ab 17 Uhr MC Groß Glienicke e. V. im ADAC Ganz nach dem Motto "the same procedure as every year" basteln die kreativen Köpfe in Groß Glienicke bereits wieder fleißig an einem unvergesslichen Oster-Spektakel. Nachdem im letzten
Google Bewertungen löschen lassen: Neue Strategien zum Schutz der Online-Reputation und zur Entfernung schädigender Rezensionen enthüllt ...
In einer Zeit, in der 93 % der Verbraucher angeben, dass Online-Bewertungen ihre Kaufentscheidungen beeinflussen, kann eine einzige verleumderische oder gefälschte Google-Rezension den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens massiv gefährden. Experten zeigen heute neue rechtliche und technis
Pawsometime – Haustier-Langeweile mit interaktiven Spielzeugen und durchdachten Beschäftigungslösungen begegnen ...
In vielen Haushalten sorgt ein wiederkehrendes Problem für Frustration bei Tierhaltern: zerstörerisches Kauen, übermäßiges Bellen, zerkratzte Möbel und unruhiges Verhalten. Solche Erscheinungen werden oft als „Fehlverhalten“ bezeichnet, entstehen jedoch meist aus Langeweile und mangelnder
Saisi präsentiert Zeit-Frequenz- und Sprachtechnologie auf dem MWC 2026 ...
Zhejiang Saisi, ein wichtiger Pionier im Bereich Zeit-Frequenz- und Kommunikationschips mit unabhängiger Forschung und Entwicklung in China, wird seine Kernlösungen für Sprachkommunikation und Zeit-Frequenz-Synchronisation auf der MWC2026 („The IQ Era“) vom 2. bis 5. März in der Fira Gran Vi




