Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Syrien-Gipfel tagt in Wien
Das Blutvergießen wird weitergehen
DIRK HAUTKAPP, WASHINGTON
ID: 1282960
keine Chance. Zu gegensätzlich sind sie Interessenlagen der Super-
wie der sich argwöhnisch beäugenden Regionalmächte, die sich im
Beisein der "Europäischen Union der Flüchtlingsaufnahmeländer" in
Wien über das ins fünfte Jahr gehende syrische Dilemma beugen. Ein
Problem-Knäuel, gegen das der israelisch-palästinensische
Dauerkonflikt geradezu überschaubar wirkt. Der Grund ist eine
doppelte Lebenslüge. Nummer 1: Niemand, weder Russlands Präsident
Wladimir Putin noch Amerikas Commander-in Chief Barack Obama, will
das Terror-Netzwerk "Islamischer Staat" wirklich auslöschen. Dazu
wäre eine gewaltige konzertierte und auf Jahre angelegte
Boden-Luft-Initiative notwendig. Weder die USA noch Russland
(geschweige denn die aufs Blut verfeindeten Rivalen Iran und
Saudi-Arabien ) werden für so ein Himmelfahrtskommando in großem
Maßstab Soldaten ins Feuer schicken. Es geht um Eindämmung und
Einhegung. Die fanatischen Mörderbanden sollen nicht in die
Anrainer-Staaten einsickern. Aber selbst, wenn es gelänge, den IS im
Irak und in Syrien zu besiegen - wer sollte an dessen Stelle treten,
wer den Wiederaufbau des zerbombten Landes leisten? Nummer 2: Mit
Russland und Iran sitzen zwei Schwererziehbare mit am Tisch. Sie
widersetzen sich trotz 250.000 Bürgerkriegstoten einem allein an
humanitären Erwägungen orientierten Vorgehen der internationalen
Gemeinschaft. Geopolitische Erwägungen sind ihnen wichtiger. Wladimir
Putin geht in Syrien an die Front, weil ihn die von Europa und
Amerika verhängten Ukraine-Sanktionen ökonomisch auf Dauer dazu
zwingen. Putin stabilisiert Diktator Assad, um die mit Blut
getränkten Jetons, die er im syrischen Kasino einspielt, demnächst in
Brüssel, Berlin und Washington gegen Lockerungen und Wohlwollen
einzutauschen. Die Mullahs in Teheran sehen in Syrien das zentrale
Transitland, um der Hisbollah im Libanon Raketen gegen den Zionismus
zur Verfügung zu stellen. Russland wie Iran halten an dem Popanz
fest, dass die Menschen in Syrien schon bald in Wahlen neu über ihre
Zukunft entscheiden könnten. Demokratie im Kugelhagel? Man kann sich
als in Sicherheit lebender Europäer kaum ausmalen, welche Wut dieser
Zynismus bei Millionen Syrern auslösen muss, die seit viereinhalb
Jahren in Angst und Schrecken leben. Eine Wut, von der Amerika nicht
verschont bleibt, weil es zu lange zu passiv war. In Washington war
schon 2011 Konsens, dass Diktator Assad die Spannungen im
Viel-Konfessionen-Staat Syrien weiter schüren wird, solange man ihn
lässt. Staatenlenker wie Assad gehören im 21. Jahrhundert vor das
Haager Kriegsverbrecher-Tribunal, niemals an die Spitze einer
Übergangsregierung. Und doch wird es wohl so kommen. Ob man in Wien
einen gangbaren "Weg aus der Hölle" (US-Außenminister John Kerry)
findet, ob die vielen Milizen in Syrien gestoppt und in einer
Regierung der nationalen Einheit aufgehen sollen, ob die
Flüchtlingswelle gen Europa verlangsamt werden kann, erscheint darum
mehr als zweifelhaft. Das Blutvergießen wird weitergehen.
Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 30.10.2015 - 20:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1282960
Anzahl Zeichen: 3521
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 344 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Syrien-Gipfel tagt in Wien
Das Blutvergießen wird weitergehen
DIRK HAUTKAPP, WASHINGTON"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Bielefeld. Die nordrhein-westfälische Frauenunion widerspricht einem Vorstoß aus der CDU, wonach es verboten werden sollte, Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch zu nehmen. "Man kann politisch alles fordern, nur ob es für ein Thema förderlich ist, steht auf einem anderen Blatt Papier"
SPD verlangt von der Landesregierung Antworten zum Hitzeschutz in NRW ...
Düsseldorf/Bielefeld. Die Hitzewelle im Juni mit gut 1.200 an ihren Folgen verstorbenen Menschen allein in NRW ist politisch noch nicht verarbeitet. Jetzt will es die Landtagsfraktion der SPD genau wissen. In einer Kleinen Anfrage an drei Minister der Landesregierung und den Ministerpräsidenten pe
Brand in Halle der Ehrlich Brothers ...
In einer Produktionshalle der weltbekannten Zauberkünstler Ehrlich Brothers in Bünde hat es am Sonntagabend gebrannt. Die Halle wurde evakuiert, zwei Mitarbeiter wurden leicht verletzt. Informationen der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen" zufolge könnten Schweißarbeiten
Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)
Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zur Einbruch-Vorhersage der Polizei in Baden-Württemberg ...
Eine neue Software, die von den Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe sechs Monate lang getestet wird, soll den Beamten eine Art tägliche Einbruch-Vorhersage liefern. Mit deren Hilfe lässt sich Einbruchskriminalität angeblich gezielter bekämpfen. Lange Zeit schien es so, als werde
FZ: Kein Anfang vom Ende Kommentar der Fuldaer Zeitung zur Syrien-Konferenz ...
Wer es schafft, den Bürgerkrieg in Syrien zu beenden, hat die ganze Welt ein Stück sicherer gemacht: Der Flüchtlingsstrom gen Europa würde versiegen, im Konflikt zwischen Putin und dem Westen gäbe es eine gefährliche Front weniger, die Terrormiliz Islamischer Staat hätte ihre neben dem Ir
Südwest Presse: KOMMENTAR · KLIMASCHUTZ ...
Der Appell der UN-Klimachefin an die Teilnehmer des bevorstehenden Gipfels in Paris ist ebenso berechtigt wie drängend. Nur wenn die Weltgemeinschaft ihre Anstrengungen gegen die voranschreitende Erderwärmung noch einmal beträchtlich erweitert, wird das allgemein propagierte Ziel von höchste
Frankfurter Rundschau: Kommentar zur NSA-Spähaffäre und Verwicklungen des BND/Titel: Grenzenlos ahnungslos ...
Wenn man gutwillig ist, kann man viele Abwehrreaktionen der Bundesregierung weniger auf gezielte Desinformation als auf eine grenzenlose Ahnungslosigkeit der politisch Verantwortlichen zurückführen. Doch das macht die Sache kaum besser. Man darf als Regierungsmitglied nicht darauf vertrauen,




