Südwest Presse: KOMMENTAR · HELMUT SCHMIDT
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Es war keine Überraschung, keine Nachricht, die bestürzt macht,
weil sie so unvermittelt kommt: Als gestern Nachmittag die Agenturen
den Tod Helmut Schmidts vermeldeten, flimmerten Minuten später
historische Kanzler-Bilder über die TV-Sender, waren die Nachrufe
bereits geschrieben. Und dennoch berührt der Tod des Altkanzlers auf
ganz eigene Weise die Republik. Worin lag die Faszination dieses
Mannes, der ungeachtet jeder politischen Korrektheit seine
Mentholzigaretten schmauchte - ob im TV-Studio oder auf
Preisverleihungen und Ehrungen? Allein die politische Lebensleistung
erklärt das Schmidt-Phänomen nicht. Die Kanzler Brandt und Kohl haben
tiefere Spuren in den Geschichtsbüchern hinterlassen. Schmidt haderte
oft genug mit der eigenen Partei, SPD-Vorsitzender wurde er nie. Und
dennoch galt er auch der jüngeren Generation als Vorbild und
Vordenker. Weil er sich niemandem und keiner Meinung anbiederte,
sondern der vielleicht schärfste und scharfzüngigste Beobachter der
politischen Landschaft Deutschlands war. Er konnte wie kein Zweiter
die Weltlage erklären. In kurzen, prägnanten Sätzen. Helmut Schmidt
verkörperte das, was an der heutigen Politikergeneration oft so
schmerzhaft vermisst wird: Gradlinigkeit, Kompetenz,
Durchsetzungskraft. Mit ihm ist nicht nur ein großer Deutscher
gestorben, sondern auch ein Stück politische Kultur.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
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Datum: 10.11.2015 - 18:59 Uhr
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