Börsen-Zeitung: Schocktherapie, Kommentar zu Argentinien von Dieter Kuckelkorn
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ist gerade einmal sieben Tage im Amt, schon wagt er einen drastischen
Schritt. Er hat überraschend den Kurs des Peso gegenüber dem Dollar
vollständig freigegeben und auch die Devisenkontrollen weitestgehend
abgeschafft. Zwar hatte Macri dies im Wahlkampf in Aussicht gestellt.
Viele Beobachter hatten aber angesichts hoher Inflation und beinahe
rekordniedriger Währungsreserven der Notenbank mit einem behutsameren
Vorgehen gerechnet, beispielsweise mit einer schrittweisen Anpassung
des offiziellen Peso-Kurses an die Realität.
Die Reaktion auf die Hauruck-Maßnahme ließ nicht lange auf sich
warten: Der Außenwert des Peso ist am Donnerstag ausgehend vom
bisherigen offiziellen Kurs von 9,9 Peso je Dollar um rund 40% auf
13,9 Peso abgestürzt. Alberto Ramos, Lateinamerika-Chefökonom von
Goldman Sachs, zeigt sich besorgt. Er sprach trotz grundsätzlicher
Zustimmung von einem riskanteren Vorhaben verglichen mit dem Kurs
anderer Länder. Auch wenn der Internationale Währungsfonds noch nicht
wieder mit im Boot ist: Es lässt sich ohne weiteres von einer
Schocktherapie für Argentiniens Volkswirtschaft sprechen.
Macri hat zweifellos gute Gründe für Veränderungen. Das Beispiel
Griechenlands hat gezeigt, wie schädlich ein starres Währungsregime
für schwache Volkswirtschaften sein kann. Argentinien leidet unter
Kapitalflucht, sinkenden Exporten und fast völlig ausgetrockneten
Investitionen aus dem Ausland. Dennoch ist es alles andere als
sicher, dass es die von Macri erhoffte schnelle Rückkehr zu hohem
Wirtschaftswachstum geben wird.
Da die Notenbank mit gerade einmal 24,2 Mrd. Dollar an - zudem
illiquiden - Devisenreserven kaum intervenieren kann, droht ein
Überschießen der Peso-Abwertung. Damit würde die Inflation, die
bereits jetzt 24% beträgt, enorm angeheizt. Da Macri mit einem
Sozialpakt die Gewerkschaften zur Mäßigung bewegen will, droht die
Anpassung auf Kosten der Kaufkraft der breiten Massen zu erfolgen,
zumal Macri auch die Exporte der Landwirtschaft ankurbeln muss, um so
die Devisenreserven aufzustocken. Ferner werden auch die
unausweichlichen Zinserhöhungen zur Stützung des Peso die Wirtschaft
schwächen. Weshalb sollten ausländische Investoren in einer solch
unsicheren Lage in Argentinien investieren? Argentinien könnte ein
weiteres Beispiel dafür werden, dass Lösungen aus dem
Ökonomielehrbuch in der Realität manchmal wenig taugen.
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Datum: 17.12.2015 - 19:55 Uhr
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