Südwest Presse: KOMMENTAR · IRAN

Südwest Presse: KOMMENTAR · IRAN

ID: 1309333
(ots) - Mächtige Gegner

So spartanisch gibt sich das Wiener Protokoll selten. Fast konnte
man den Eindruck haben, die angereisten Chefdiplomaten wollten ihre
Großtat möglich klein spielen. Spät in der Nacht verlasen die
Außenminister von EU, USA und Iran ihre Kommuniqués und gingen dann
rasch ihrer Wege. Denn die Beteiligten wissen, dass ihre Umwälzungen
mächtige Gegner haben, in den USA, im Nahen Osten und nicht zuletzt
im Iran selbst. Israel sieht sich von der persischen Atomkompetenz
bedroht. Saudi-Arabien rebelliert gegen die wirtschaftliche Potenz
und das Hegemoniestreben des Erzrivalen am Persischen Golf. Doch auch
die Sanktionsgewinner und Hardliner in Teheran treiben Sorgen um. Sie
fürchten finanzielle Einbußen und eine Liberalisierung der
Gesellschaft, die ihrem Machtanspruch gefährlich werden könnte. Sie
ahnen, dass sich der Wind bald drehen könnte. 70 Prozent der 78
Millionen Iraner sind jünger als 30 Jahre und kennen Staatsgründer
Ayatollah Khomeini nur noch vom Hörensagen. Trotzdem sind in dem
ausgeblichenen Gottesstaat die Aussichten auf eine demokratische
Öffnung besser als im Rest des Nahen Ostens. Irans Zivilgesellschaft
ist entwickelter als alle arabischen Konkurrenten. Die Bevölkerung
ist gebildet, belesen und diszipliniert. Irans junge Leute gehören zu
den talentiertesten der Region. Sie wissen, was sie wollen. Und sie
sind sicher, dass bald ihre Zeit kommen wird.



Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218



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Datum: 17.01.2016 - 18:34 Uhr
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