Gewebespenden im Jahr 2015 deutlich angestiegen
Hannover, 20.1.16 – Ein abgebrochener Nagel hat beim Renovieren das rechte Auge von Kathrin Becker zu zwei Dritteln zerstört. Nur zahlreiche Operationen und eine Hornhauttransplantation konnten ihr Auge retten. Die 47-Jährige ist einer von über 2.600 Patienten, die im vergangenen Jahr eine Hornhaut von der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) erhalten haben. Mit diesem bisher besten Ergebnis in der Geschichte der DGFG konnten Patienten von Mecklenburg-Vorpommern bis Bayern mit Gewebetransplantaten versorgt werden.
Viele Verstorbene sind mögliche Gewebespender
„Besonders freuen wir uns, dass die Gewebespende von Organspendern deutlich zugenommen hat“, sagt Börgel. Die Steigerung betrage fast 17 Prozent. Damit kommen etwa zehn Prozent der Gewebespender aus der Organspende. Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende nicht an den Hirntod gebunden. Deshalb sind ein Großteil der in Deutschland verstorbenen Menschen mögliche Gewebespender. Selbst Krebserkrankungen stellen nach Auskunft der DGFG in vielen Fällen keinen Ausschlussgrund dar. Für die DGFG steht seit Jahren die Spende von Augenhornhäuten sowie Herzklappen und Blutgefäßen im Vordergrund. Für die Knochen- und Sehnenspende arbeitet die DGFG mit der Universitätsgewebebank der Charité Berlin zusammen.
Als Gewebe gelten Augenhornhäute, Herzklappen und Gefäße
Als Gewebe gelten im Sinne des Transplantationsgesetzes Augenhornhäute, Herzklappen, Blutgefäße, Knochen und Haut. Ärzte transplantieren jedes Jahr deutlich mehr Gewebe als Organe. Insgesamt hat die DGFG im vergangenen Jahr 4.338 Gewebepräparate zur Transplantation an Krankenhäuser im gesamten Bundesgebiet vermittelt. Das entspricht einer Steigerung von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gewebe werden im Gegensatz zu Organen nicht sofort transplantiert, sondern zuvor in Gewebebanken aufbereitet.
Hornhautverpflanzungen sind die älteste und häufigste Transplantation
Insgesamt werden nach Angaben der DGFG pro Jahr etwa 5.000 Hornhäute in Deutschland verpflanzt. Mehr als die Hälfte davon kommen von der DGFG. 2015 wurden 2.693 Augenhornhäute zur Transplantation abgegeben. Das sind acht Prozent bzw.199 Hornhäute mehr als im Vorjahr. Die DGFG hat in den vergangenen Jahren in innovative Technologien investiert, um neue Verfahren bei der Bearbeitung von Geweben zum Einsatz zu bringen. Seit Dezember 2015 hat die DGFG als einzige Einrichtung in Deutschland die Erlaubnis, im Reinraum vorpräparierte Hornhäute für DMEK-Transplantationen abzugeben. Bei dieser OP-Technik muss der Operateur nur eine dünne Schicht der Hornhaut austauschen. Die Sehfähigkeit der Patienten erholt sich schneller. Das Infektionsrisiko sinkt. Die DGFG betreibt in Hannover und Schwerin zwei der modernsten Gewebebanken Deutschlands.
Gewebe unterliegen wie Organe dem Handelsverbot
Die Spende und Vermittlung von Geweben unterliegt dem Handelsverbot. Diese Rechtssicherheit besteht seit 2007 mit dem Inkrafttreten des Gewebegesetzes. Eine zentrale Vermittlungsstelle sowie eine bundesweite Warteliste sind im Gegensatz zur Organspende im Transplantationsgesetz jedoch nicht vorgesehen. Mehr als 60 Krankenhäuser unterstützen die Gewebespende im Netzwerk der DGFG durch die Meldung möglicher Gewebespender. Koordinatoren der DGFG betreuen die Ärzte in den Kliniken vor Ort, führen Gespräche mit Angehörigen und organisieren die Entnahme und den Transport der Gewebepräparate in die Gewebebanken.
Alle Angaben zu den Jahreszahlen 2015 sind vorläufig (Stand 15.1.16).
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Die DGFG ist eine unabhängige, gemeinnützige Gesellschaft, die seit 1997 die Gewebespende und -transplantation in Deutschland fördert. Die DGFG hat seitdem ein bundesweites Netzwerk zahlreicher deutscher Kliniken, Gewebebanken und transplantierender Einrichtungen aufgebaut. Jede medizinische Einrichtung in Deutschland kann Gewebe von der DGFG beziehen. Gesellschafter sind vier öffentliche Universitäten – Anstalten des öffentlichen Rechts: das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, das Universitätsklinikum Leipzig, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die Universitätsmedizin Rostock.
Datum: 20.01.2016 - 16:14 Uhr
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