Arzneimitteltherapiesicherheit - Passgenau statt Gießkanne

Arzneimitteltherapiesicherheit - Passgenau statt Gießkanne

ID: 1315857
(ots) - Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ist ein
Thema, das zwar schon lange diskutiert wird, aber noch immer nicht
ausreichend im Versorgungsalltag angekommen ist. Dabei sollte es
selbstverständlich sein, in der Therapie auf Nebenwirkungen,
Wechselwirkungen und Kontraindikationen zu achten. In der Realität
hakt es noch, so lautet das Fazit der Konferenz "Innovationen für
mehr Sicherheit" der Techniker Krankenkasse (TK). Vertreter der
Patienten, Ärzte, Apotheker, Wissenschaftler und die gemeinsame
Selbstverwaltung kamen hier zu Wort und diskutierten Strategien, um
die Situation zu verbessern.

"Wir diskutieren das Thema schon seit vielen Jahren und haben in
der Vergangenheit auch immer wieder gute Projekte gesehen. Im
Praxisalltag ist davon aber bisher nicht genug angekommen. Das ist
zum Nachteil für die Patienten", so Thomas Ballast, stellvertretender
Vorsitzender des Vorstands der TK. "Wichtig bei der
Arzneimitteltherapie ist, dass der richtige Patient die für ihn
richtigen Medikamente erhält und auch über seine Therapie Bescheid
weiß."

"Um die Patientensicherheit zu verbessern, wird der
Innovationsfonds sich in seinem ersten Jahr auch mit der Möglichkeit
der Förderung von Projekten befassen, die eine Verbesserung der AMTS
im Fokus haben", so Professor Josef Hecken, Unparteiischer
Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).

Ballast: "Der Innovationsfonds bietet Chancen, das Thema voran und
vor allem zu den richtigen Patienten zu bringen. Nicht jeder über 65
mit mehr als drei Medikamenten muss überprüft werden. Ein gezielter
Einsatz bringt mehr als die Gießkanne."

Daher sei ein Ansatz vielversprechend, bei dem zunächst eine
Strategie entwickelt wird, um die richtigen Patienten für eine
Medikationsanalyse zur Förderung der AMTS zu finden. Denn ein


pauschales Vorgehen, wenn der Arzt bei jedem zweiten Patienten die
Therapie überprüfen soll, sorgt nur dafür, dass der Arzt die AMTS
durch "Alarm-Müdigkeit" im Alltag wieder aus den Augen verliert.
Genau aus diesem Grund findet das Thema im Praxisalltag heute zu
wenig Beachtung. Mit Unterstützung von digitalen Lösungen sind
zugeschnittene Kommunikationsmaßnahmen umsetzbar, die den Arzt nur
dann aufmerksam machen, wenn es besonders wichtig ist.

"Hier könnten in Zukunft auch die Daten der Krankenkassen dafür
sorgen, dass die Ärzte zielgerichtet jene Patienten ansprechen, für
die eine besondere Überprüfung der Arzneimitteltherapie notwendig
ist", so Professor Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender des
Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im
Gesundheitswesen.

Außerdem sollten die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung in die
Leitlinien aufgenommen werden, um Ärzten eine umfassendere
Entscheidungsmöglichkeit bei der Therapiewahl zu bieten. Wenn ein
neues Medikament nicht besser ist als das bereits vorhandene, dann
ist es oftmals besser, auf dasjenige zurückzugreifen, für das es
bereits umfangreiche Erfahrungen und Studien gibt.

Das Feld der AMTS ist groß. Es fängt bei dem Einsatz von
Antibiotika bei viralen Effekten an und geht bis zu mutigen
Entscheidungen, bestimmte Therapien zu verschieben oder auf den
Einsatz von bestimmten Medikamenten zu verzichten.

Für Patienten und Fachkreise gibt es bereits heute
unterschiedliche, jeweils auf die Zielgruppe zugeschnittene
Informationsangebote der TK. Seit über zehn Jahren bietet die TK mit
der "Versicherteninformation Arzneimittel" (TK-ViA) eine Auflistung
der verordneten Medikamente, ähnlich dem Medikationsplan wie er
frühestens im Herbst 2016 eingeführt werden wird. Der
Medikations-Check-up 60+ soll diejenigen Patienten mit
Multimedikation identifizieren, die mehrere Arzneimittel bekommen und
ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wechsel- und Nebenwirkungen
haben. Die TK-ArzneimittelCoaches stehen den Kunden mit
Typ-2-Diabetes und Rheuma zur Seite und beraten sie telefonisch sowie
in Zusammenarbeit mit Apothekern über die Therapie. Zukünftig steht
dieses Angebot auch für Patienten mit KHK (Koronarer Herzkrankheit)
zur Verfügung.

Auch bei jungen Menschen kann AMTS ein wichtiges Thema sein, zum
Beispiel bei der Wahl der richtigen Anti-Baby-Pille. Die TK bietet
deshalb auch zu diesem Thema ein Informationsangebot für junge Frauen
und Gynäkologen an.



Pressekontakt:
TK-Pressestelle, Dennis Chytrek
Tel. 040-6909 3020, E-Mail dennis.chytrek@tk.de
Social Media Newsroom: www.newsroom.tk.de
Twitter: www.twitter.com/TK_Presse

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Datum: 02.02.2016 - 10:16 Uhr
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