Das Erste: Weltspiegel - Auslandskorrespondenten berichten
Am Sonntag, 7. Februar 2016, 19:20 Uhr vom BR im Ersten
ID: 1317526
Geplante Themen:
Brasilien: Karneval der Korruption
Brasilien ohne Karneval - das geht gar nicht, trotz der dramatischen
Wirtschaftskrise im Land. Die Krise wird einfach zum Thema gemacht im
bunten Treiben und das Gesicht des obersten Korruptionsermittlers
avanciert zur beliebten Karnevalsmaske. Der Brasilianer mit den
japanischen Wurzeln verdankt seine Prominenz den Politikern und
Wirtschaftskapitänen, die unter seiner Leitung wegen
Korruptionsverdachts festgenommen wurden. "O japones da Federal", der
Japaner der Bundespolizei, so wird er im Karneval besungen. Brasilien
leidet unter einer ausufernden Korruption, die für den
wirtschaftlichen Niedergang des Landes mitverantwortlich gemacht
wird. Von zwei der großen Ratingagenturen ist die bisher siebtgrößte
Volkswirtschaft der Welt jetzt auf Ramsch-Niveau herabgesenkt worden.
Autor: Michael Stocks, ARD Rio de Janeiro
Marokko: Wie Männer über Frauen denken
Die Frauen in Deutschland - leichte Beute marodierender Horden
nordafrikanischer und arabischer Asylsuchender und Flüchtlinge? Seit
der Kölner Silvesternacht müssen vor allem junge Marokkaner zum
Sündenbock für alles herhalten, was in der Flüchtlingspolitik falsch
läuft. Breit diskutiert wird jetzt, inwieweit kultureller Hintergrund
und Religion, also auch der Islam, das Verhalten prägen. Deshalb hat
ARD-Korrespondent Stefan Schaaf in Marokko recherchiert, wie dort das
Verhältnis zwischen Mann und Frau funktioniert. Die Vielehe, die
Verheiratung von Minderjährigen, häusliche Gewalt, all das gehört zu
Marokkos patriarchal geprägtem Alltag. Aber es gibt auch eine starke
Zivilgesellschaft, die versucht, genau diese Mentalität zu ändern.
Autor: Stefan Schaaf, ARD-Madrid
Bosnien-Herzegowina: Brückenkopf der Islamisten?
Tag und Nacht patrouillieren Polizisten auf der Zufahrtsstraße zum
abgelegenen Bergdorf Gornja Maoca in Nordbosnien. Ihr Auftrag:
mögliche Sympathisanten der Terrormiliz IS aufzuspüren, die sich
hierher zurückziehen wollen. Rund 200 Menschen leben im Dorf,
Islamisten, die sich selbst als Salafisten bezeichnen, mit ihren
Familien. Polygamie ist erwünscht, die Frauen sind vollverschleiert,
mit Fremden dürfen sie nicht sprechen. Nach Angaben der
Sicherheitsbehörden in Sarajevo soll es schon mehr als zehn solcher
Salafistendörfer in ganz Bosnien geben und weitere sollen in Gründung
sein. Die Islamisten dort stehen dem Wahhabismus nahe, einer
ultrakonservativen Glaubensrichtung des Islam, der vor allem in
Saudi-Arabien verbreitet ist und seit dem Bosnienkrieg immer mehr
Anhänger in der Region findet. Den Behörden in Sarajevo ist klar,
dass diese Islamisten verfassungsfeindlich sind, die Demokratie
ablehnen, stattdessen der Idee eines weltweiten Kalifats unter der
Herrschaft der Scharia anhängen. Nachdem diese Entwicklung lange
geduldet wurde, will man eine weitere Verbreitung der Islamisten
jetzt verhindern.
Autor: Darko Jakovljevic, ARD Wien
USA: Geld verdienen mit Gefangenen
Boombranche US-Gefängnisse: Mit knapp 2,3 Millionen "Kunden"
beziehungsweise Insassen gelten die Vereinigten Staaten als weltweit
das Land, das die meisten eigenen Bürger hinter Gitter schickt: Die
USA hat die zweithöchste Gefangenenrate der Welt, neun Mal höher als
in Deutschland. Fahren unter Alkoholeinfluss, Ladendiebstähle - es
sind auch Bagatelldelikte, die viele Amerikaner in die Zelle bringen.
Aufwändig und kostspielig für den Staat, der Gefängnisse immer öfter
von privaten Firmen betreiben lässt. Die sind eher an Profit als an
Resozialisierung interessiert, zumal hinter einigen privaten
Gefängnisgesellschaften mächtige an der Wall Street notierte
Hedgefonds stehen. Lobbyisten sorgen mit angemessenen Spenden in
Parteikassen dafür, dass das Geschäftsmodell profitabel bleibt, zum
Beispiel mit staatlich garantierten Belegungsgarantien. Der
"Weltspiegel" blickt hinter die Kulissen eines lukrativen Geschäfts,
bei dem die Schwachen auf der Strecke bleiben.
Autor: Markus Schmidt, ARD New York
Ukraine: Überleben in der Grauen Zone
Das Minsker Abkommen über einen Waffenstillstand in der Ostukraine
hat wider Erwarten immerhin ein Jahr gehalten. Die Realität vor Ort
ist allerdings ernüchternd, besonders für die Menschen, die in der
sogenannten "Grauen Zone" leben, einer Pufferzone, die die beiden
Konfliktparteien trennt. Wer hier in der Nähe der Frontlinie -
zwischen Separatisten und ukrainischer Armee - seine Heimat hat, kann
nur abwarten, alle Lebenspläne aufgeben, das Geräusch von
Maschinengewehrsalven und Mörsergranaten ertragen, und damit seinen
Frieden schließen. Niemand glaubt an einen baldigen Ausweg. Die Front
im Land ist zur Mauer im Kopf geworden - unüberwindbar, festgefroren.
Sie trennt Straßen, Dörfer, Menschen. Golineh Atai erlebt auf ihrer
Reise entlang der Frontlinie zerstörte und abgeschnittene
Landstriche, wo Einwohner ohne Essenspakete nicht überleben können,
trifft junge ukrainische Soldaten in ihren Stellungen und spricht mit
Schülern im wieder eröffneten Militärinternat von Donezk.
Redaktion: Karola Baier
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E-Mail: pressestelle@br.de
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Datum: 05.02.2016 - 09:46 Uhr
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