Südwest Presse: KOMMENTAR · FESSENHEIM
ID: 1330232
Die Energiepolitik der französischen Regierung ähnelt dem
Gänseblümchenspiel. Der Unterschied: Das Abzupfen der Blütenblätter
birgt ein um Welten geringeres Risiko, als die Frage: Schalten wir
das älteste der 58 Atomkraftwerke ab oder nicht? Die Ankündigungen
aus Paris lassen selbst nach jüngsten Enthüllungen um den schweren
Störfall vor zwei Jahren noch reichlich zeitlichen Spielraum. Vieles
spricht dafür, dass er ausgeschöpft wird. Bisher schreibt ein Gesetz
dem französischen Staatskonzern EDF vor, dass eine seiner Atomanlagen
abgeschaltet wird, wenn der neue Druckwasserreaktor an der Kanalküste
in Betrieb geht. Seit 2007 wird dort gebaut. Jetzt soll die
Kernspaltung 2018 starten. Bis 2020 kann dies jedoch auch dauern,
hieß es schon. Zudem wechselt der Betreiber heuer die Brennelemente
in Fessenheim. Kosten: 67 Millionen Euro. Die gleiche Summe hat die
EDF im Vorjahr in die Sicherheit des Alt-Kraftwerks investiert. Dass
die EDF die Schwere des Störfalls vertuscht hat, wird in Paris
ohnehin kein Umdenken erzeugen. Gleiches gilt für Proteste der
Regierung in Berlin oder der deutschen Atomkraftgegner. Auch 16
Störfälle in den vergangenen sechs Jahren konnten dem Dinosaurier am
Rhein nichts anhaben. Bleibt die große Hoffnung, dass bis zum
endgültigen Aus nichts Schlimmes passiert. Gemessen an den gewaltigen
Folgen eines schweren Unfalls hätte der Mängel-Meiler längst vom Netz
gehen müssen.
Pressekontakt:
Südwest Presse
Ulrike Sosalla
Telefon: 0731/156218
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Datum: 07.03.2016 - 19:59 Uhr
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