Neue Westfälische (Bielefeld): Zu wenig Investitionen in Krankenhäuser
Das duale System hat sich überlebt
Peter Stuckhard
ID: 1349832
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung ausrechnen
lassen, dass das Land seinen Krankenhausträgern für Investitionen
jedes Jahr eine Milliarde Euro zu wenig überweist. Das Phänomen hat
auch einen Namen bekommen: die Förderlücke. Die gibt es in NRW
tatsächlich. Unser Bundesland trägt bei den Investitionsausgaben der
alten Länder die rote Laterne. Über die Höhe der Förderlücke lässt
sich trefflich diskutieren, das RWI braucht dafür 80 Seiten.
Zielführender wäre es, über das gesamte System der
Krankenhausfinanzierung zu diskutieren. Seit 1972 finanzieren die
Patienten selbst oder ihre Krankenkassen nur die Betriebskosten der
Kliniken, die Bundesländer aber die Investitionen. Dieses duale
System hat sich überlebt. Schon mit der Gesundheitsreform des Jahres
2000 wollte der Bund regeln, dass die Krankenkassen auch die Kosten
der Investitionen übernehmen. Die Länder spielten nicht mit, weil sie
sich eines Instruments der Krankenhausplanung beraubt fühlten. Dabei
würde die als Monistik bezeichnete Krankenhausfinanzierung aus einer
Hand - der der Krankenkassen - ökonomische Transparenz und Klarheit
schaffen: Da das Entgelt für ein Produkt oder eine Dienstleistung
auch die dafür notwendigen Investitionen decken muss, würde endlich
deutlich, wie teuer die Behandlung in einem Krankenhaus ist.
Einzelheiten, wie eine Entlastung der Kassen an anderer Stelle,
müssten geklärt werden. Stattdessen hat der Gesetzgeber einen
Strukturfonds eingeführt, der die Finanzierungsströme weiter
vernebelt. Der Ruf der Krankenhäuser nach mehr Geld mag berechtigt
sein. Besser wäre der Ruf nach wirtschaftlicher Klarheit, Transparenz
und betriebswirtschaftlicher Eigenverantwortung.
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Datum: 26.04.2016 - 19:55 Uhr
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