Mitsprache der Betroffenen macht Nothilfe erfolgreicher / Plans Befragung zum Weltgipfel für Humanitäre Hilfe zeigt Handlungsbedarf
ID: 1358308
wenn die von einer Katastrophe betroffenen Menschen von Anfang an
aktiv in die Hilfsmaßnahmen eingebunden werden und ein
Mitspracherecht bekommen. Das hat eine Befragung der
Kinderhilfsorganisation Plan International Deutschland ergeben. Zum
anstehenden ersten Weltgipfel für Humanitäre Hilfe in Istanbul bat
Plan Binnenflüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen im Westen
Kolumbiens um ihre Einschätzung. Finanziert wurde die Befragung vom
Auswärtigen Amt. Die Interviewten wiesen unter anderem darauf hin,
dass die Hilfeleistungen zu wenig auf ihre Bedürfnisse abgestimmt
sind. Plans Ergebnisbericht "Putting People at the Centre" zeigt, wie
Nothilfe optimiert werden kann, wenn die betroffenen Menschen aktiv
beteiligt und Feedback- und Beschwerdemechanismen eingeführt werden.
"Wir müssen mehr auf die Betroffenen hören", sagt Rüdiger Schöch,
Referent für Humanitäre Hilfe von Plan International Deutschland.
"Humanitäre Hilfe muss die Menschen aus ihrer Opfer- und
Empfängerrolle holen und sie zu Akteuren machen. Darum ist es so
wichtig, die Betroffenen von Anfang an in alle Phasen der Nothilfe
einzubinden und ihnen ein Mitspracherecht zu geben. Auch den
Betroffenen gegenüber muss Rechenschaft abgelegt werden. Die 2014 von
einer breiten Koalition humanitärer Akteure geschaffenen "Core
Humanitarian Standards" zur Optimierung der Nothilfe sind dabei ein
wirksames Instrument."
Die Befragten in Kolumbien gaben an, dass Hilfeleistungen nur zum
Teil mit ihnen abgesprochen werden. Was ihnen fehle, sei Kontinuität.
Hilfeleistungen würden oft unberechenbar eingestellt, so dass das
Gefühl aufkam, noch mehr "im Regen zu stehen". Außerdem wünschten die
Befragten sich stärkere psycho-soziale Unterstützung: "Wir haben
Familienmitglieder verloren, aber niemand hilft uns, damit umzugehen.
Wie sollen wir weiterleben?" bemerkte eine junge Mutter in Tumaco.
Besonders gefährdet sind nach Einschätzung der Befragten Jugendliche.
Durch jahrelange Flucht und Vertreibung konnten sie beispielsweise
keine Schule besuchen und sind heute chancenlos auf dem Arbeitsmarkt.
Als wertvoll beurteilten die Befragten hingegen Schulungen, vor allem
zu Einkommen schaffenden Maßnahmen, sowie Hilfe beim Aufbau von
Netzwerken zur gegenseitigen Unterstützung und zur Stärkung gegenüber
humanitären und anderen Akteuren.
"Um die Projekte und Prozesse so anzupassen, dass sie greifen und
so effektiv wie möglich sind", so Rüdiger Schöch, "müssen
Hilfsorganisationen intensiv auf die Bedürfnisse der Betroffenen
eingehen. Auch öffentliche Geber sollten in ihren Anforderungen in
dieser Hinsicht flexibler werden." Rüdiger Schöch wird an dem
humanitären Gipfel in Istanbul teilnehmen, wo der Ergebnisbericht der
Befragung vorgestellt wird.
Weltweit sind 100 Millionen Menschen - meist unbeachtet von der
Öffentlichkeit - auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auch die Situation
in Kolumbien gehört zu den "vergessenen Krisen" der Welt. Aufgrund
des Jahrzehnte anhaltenden Bürgerkrieges zählt das
lateinamerikanische Land rund fünf Millionen Binnenvertriebene. Diese
müssen sich aus Not oft an ungeschützten Orten ansiedeln,
beispielsweise an von Fluten oder Tsunamis bedrohten
Küstenabschnitten oder von Erdrutschen bedrohten Hängen. Dadurch
laufen sie Gefahr, zusätzlich von Naturkatastrophen getroffen zu
werden.
Die Befragung kann auf der Internetseite www.plan.de
heruntergeladen werden unter: https://www.plan.de/-k-bf58849.
Für Interviewwünsche oder weitere Hintergründe fragen Sie bitte:
- Sabine Marxen, Pressereferentin. Tel. 040 61140-278
- Claudia Ulferts, Pressereferentin, Tel. 040 61140-267
- presse@plan.de und www.plan.de
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Bramfelder Str. 70
22305 Hamburg
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Datum: 19.05.2016 - 11:00 Uhr
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