Schwäbische Zeitung: Leitartikel: Die Union rutscht
ID: 1363032
ständige Kleinkrieg zwischen CDU und CSU, genauer gesagt zwischen den
Parteichefs Angela Merkel und Horst Seehofer und den
Generalsekretären Peter Tauber und Andreas Scheuer, nervt. Um so
mehr, als es wirklich mitunter bis zu solch Nebensächlichkeiten wie
jener geht, an welchem Ort der nächste Koalitionsgipfel stattfinden
soll.
Dass die CSU nicht viel vom großen Partner CDU hält, das gab es
immer wieder in der Geschichte der ungleichen Schwestern. Franz Josef
Strauß hat einst die charakterlichen, geistigen und politischen
Qualitäten von Helmut Kohl angezweifelt und ihn als total unfähig für
das Kanzleramt bezeichnet. Bei Horst Seehofer drängt sich der
Eindruck auf, dass er das selbe Urteil über Angela Merkel gerne
öffentlich fällen würde, doch nicht darf.
Ursächlich für diese Entwicklung ist nicht nur die
Flüchtlingskrise. Ein Riss geht immer quer durch die gesamte Union,
nicht ausschließlich zwischen CSU und CDU. Jene Teile der Union,
denen die CDU schon lange nicht mehr konservativ genug ist, denen der
Ausstieg aus der Wehrpflicht, der Mindestlohn und Quoten schon immer
verdächtig waren - ihnen hat die Flüchtlingspolitik Merkels sozusagen
den Rest gegeben und bis hin zur Grundstimmung geführt: "Merkel muss
weg." Zumal sie auch noch für das Aufkommen der AfD verantwortlich
gemacht wird.
Dass die Kanzlerin jeden Vorschlag Seehofers zu Kurswechseln so
beharrlich ignoriert, verletzt den machtbewussten Bayern zutiefst.
Merkel wiederum ist zwar fast gänzlich uneitel, aber ebenso
machtbewusst, und deshalb irritiert und angegriffen von ständigen
Münchner Ratschlägen.
Helfen kann da eigentlich nur die schlichte Tatsache, dass nicht
nur die CSU, sondern auch die SPD sich mehr profilieren will und
muss, wie sich an Themen von TTIP bis Böhmermann zeigt. Und dass auch
die Schonzeit für die AfD vorbei ist. Gemeinsame politische
Konkurrenten können Wunder bewirken, vielleicht auch wieder in der
Union.
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Datum: 31.05.2016 - 19:29 Uhr
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