Lausitzer Rundschau: Sachlichkeit statt Alarmismus
Zur Studieüber die Lebenszufriedenheit Älterer
ID: 1366023
Studien unter die Lupe genommen. Die meisten davon, jedenfalls in der
öffentlichen Wahrnehmung, handeln von Armut und sozialer Ausgrenzung.
Das soll nicht kleingeredet werden. Zweifellos gibt es große
Ungleichheiten. Bei den Einkommen zwischen Männern und Frauen zum
Beispiel und auch bei den Bildungschancen begüterter und weniger
begüterter Bevölkerungsschichten. Auch müssen in einem reichen Land
wie Deutschland viel zu viele Menschen am Rande des Existenzminimums
leben. Nur ist das eben ein gesellschaftlicher Ausschnitt, der nicht
für die gesamte Lebenssituation steht. Die aktuelle Untersuchung
im Auftrag des Bundesfamilienministeriums weitet hier dankenswerter
Weise den Blick. Und sie fördert Erstaunliches zutage: Wenn die
Forscher feststellen, dass bei den 40- bis 85-Jährigen "keine
besorgniserregenden Entwicklungen" im Hinblick auf ihre soziale Lage
und ihr Auskommen zu beobachten sind, dann passt das ganz und gar
nicht zu jenem Alarmismus über Altersarmut, der die politische
Debatte der vergangenen Monate bestimmt hat. Natürlich darf der
Befund der Forscher kein Ruhekissen sein. Aber er sollte helfen, die
Debatte zu versachlichen. Nicht die Älteren sind von Altersarmut
bedroht, sondern ganz bestimmte Gruppen wie Langzeitarbeitslose,
Solo-Selbstständige oder allein erziehende Mütter. Hier sind
maßgeschneiderte Lösungen nötig und nicht etwa eine allgemeine
Anhebung des Rentenniveaus, die Milliarden kosten würde, aber vor
allem jene begünstigt, die es nicht wirklich nötig hätten. Union und
SPD sollten sich die Ergebnisse der Studie genau ansehen, bevor sie
neue Reformen zur Alterssicherung ins Werk setzen.
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Datum: 07.06.2016 - 20:24 Uhr
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