Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wächst
ID: 1374984
Maßnahmen von Arbeitgebern zur Personalentwicklung weichen deutlich
voneinander ab. Diese Kluft zu schließen, wird in Zukunft eine der
größten Herausforderungen für Personalverantwortliche sein. Zu diesem
Ergebnis kommt die von der Beratungsgesellschaft Mercer durchgeführte
weltweite "2016 Global Talent Trends Study". In dieser Studie werden
zum ersten Mal die wichtigsten Arbeitsmarkttrends und ihre
Auswirkungen auf Unternehmen aus dem Blickwinkel von Arbeitgeber und
Arbeitnehmer berücksichtigt. Befragt wurden mehr als 1.730
Personalverantwortliche sowie mehr als 4.500 Mitarbeiter aller
Branchen in 17 Ländern.
Für deutsche Arbeitnehmer sind Autonomie und flexible
Arbeitszeiten besonders wichtige Faktoren für die Zufriedenheit am
Arbeitsplatz. So sind knapp zwei Drittel der Befragten der Meinung,
dass eine flexible Arbeitsgestaltung sie in ihrer Produktivität
unterstützt (weltweit: 52 Prozent). Arbeitgeber in Deutschland
scheinen in dieser Hinsicht fortschrittlicher zu sein als in anderen
Ländern: 73 Prozent der deutschen Arbeitnehmer geben an, flexible
Arbeitszeitmodelle nutzen zu können - weltweit sind es dagegen nur 56
Prozent. "In vielen Talentsegmenten, man denke z. B. an MINT- oder
IT-Berufe, haben Arbeitnehmer derzeit meist gleich mehrere, oft auch
wirklich attraktive Optionen auf dem Arbeitsmarkt. Entsprechend
werden Erwartungen an den aktuellen Arbeitgeber artikuliert", sagt
Dieter Kern, Partner und verantwortlich für die HR-Management- und
Organisationsberatung bei Mercer in Central Europe. "Die
Herausforderung für Personalverantwortliche besteht erst einmal
darin, solche Erwartungen zu hören, zu verstehen und aktiv zu
managen. Mancher Fall darf dann auch ruhig mit Blick auf
Arbeitsmärkte und interne Daten hinterfragt werden. Prinzipiell sehen
wir aber das Gebot und die Chance, People-Themen im Unternehmen
weiter zu professionalisieren."
Beim Blick auf die kommenden zwölf Monate haben deutsche
Arbeitnehmer eine klare Vorstellung davon, welche Kompetenz im
Berufsalltag wichtiger wird: Fast die Hälfte der Befragten (46
Prozent) meint, dass eine globales Verständnis und Denken in ihrem
Unternehmen künftig besonders gefragt sein wird (weltweit: 28
Prozent). Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen sind da
etwas zurückhaltender: Hier nehmen nur 27 Prozent an, dass die
Entwicklung einer globalen Denkweise unter der Belegschaft zu den
Top-3-Prioritäten beim Talentmanagement gehören wird. Damit liegen
sie dennoch deutlich über dem Wert ihrer weltweiten HR-Kollegen (18
Prozent). Die von Unternehmen weltweit meistgefragten Fähigkeiten
sind Führung, Mitarbeiterentwicklung und Coaching, analytische
Fähigkeiten sowie Innovation und Design Thinking.
Europas Arbeitgeber könnten im Wettbewerb um die besten
Mitarbeiter das Nachsehen haben
Die wichtigsten Ursachen für Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sind
mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten, umständliche Prozesse sowie
Unmut über Führungskräfte. Das bestätigt sich beim Blick auf die
Studienergebnisse für Europa: Nur jeder zweite (51 Prozent) der
Beschäftigten gibt an, seine Führungskräfte würden sich für
Personalentwicklung besonders einsetzen (im Vergleich zu weltweit 58
Prozent). Immerhin planen im Jahr 2016 schon 53 Prozent der
europäischen Unternehmen (weltweit: 57 Prozent) eine Anpassung des
Performance-Management-Prozesses. "Arbeitnehmer in Europa sind im
weltweiten Vergleich am wenigsten zufrieden mit ihren Chefs.
Führungsjobs sind in vielen Dimensionen anspruchsvoller geworden.
Selektion, Entwicklung und organisationale Unterstützung für
Führungskräfte hat nicht überall mit den neuen Realitäten Schritt
gehalten", so Kern. Obwohl stellenweise mit ihrer
Beschäftigungssituation unzufrieden, blieben Arbeitnehmer in Europa
mit vergleichsweise größerer Wahrscheinlichkeit bei ihrem
gegenwärtigen Arbeitgeber. "Um Talentloyalität und -engagement nicht
zu riskieren, sollten Arbeitgeber sicht- und erlebbare
Entwicklungsmöglichkeiten anbieten, ordentlich vergüten und an der
Managementqualität arbeiten. Wer heute nichts tut, schaut morgen
wahrscheinlich seinen besten Mitarbeitern hinterher", ergänzt Kern.
Und dieser Wettbewerb um Talente hält unvermindert an: Neun von
zehn der weltweit befragten Personalverantwortlichen rechnen damit,
dass die Konkurrenz um die besten Köpfe in diesem Jahr zunehmen wird
- mehr als ein Drittel der Befragten geht sogar von einem
signifikanten Anstieg aus. "Wir beobachten ein Auseinanderfallen von
Arbeitsmärkten. Einerseits werden Arbeitgeber mit der wachsenden
Konkurrenz um Arbeitskräfte konfrontiert. Gleichzeitig bleibt die
Arbeitslosigkeit aber in vielen Ländern hoch", erläutert Ilya Bonic,
Seniorpartner und President Talent Management von Mercer. "Es geht
aber um weitaus mehr als nur um Fachkräftemangel - es geht um einen
Mangel an den richtigen Talenten am richtigen Ort und zur richtigen
Zeit."
Top-Prioritäten für Unternehmen
Erfolgreiche Talentmanagement-Strategien hängen mehr denn je von
der Fähigkeit des Unternehmens ab, Mitarbeiter unterschiedlichen
Geschlechts, Alters oder Herkunft zu gewinnen und langfristig zu
binden. Zwar geben im Durchschnitt 73 Prozent der Unternehmen an,
heterogene Führungskräfte-Teams zu fördern, aber nur 54 Prozent der
Arbeitnehmer nehmen wahr, dass ihre Arbeitgeber entsprechende
Programme etabliert haben. "Seitens der Personalverantwortlichen
werden Anstrengungen notwendig sein, um die Kluft zwischen den
Erwartungshaltungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu
verringern", sagt Kern. "Dies bedeutet unter anderem ein
verbessertes, modernes Recruiting, das im Sinne von
Kandidatenerwartung, Technologie und Auswahlverfahren auf der Höhe
der Zeit ist. Es geht weiter um professionalisierte HR-Werkzeuge und
intelligente Datenverwertung. Und nicht zuletzt geht es um
Personalmanagementfähigkeiten."
Laut Studie sollten folgende fünf Themen für Unternehmen Priorität
haben:
- veränderte Ausgangslange in der Arbeitswelt und Auswirkungen
verstehen und bewerten
- überzeugende Karriereversprechen entwickeln und einhalten
- Talentprozesse vereinfachen
- vielfältige/diversifizierte Talentpools aufbauen
- HR-Funktion weiterentwickeln
"Unternehmen sind heute dem Talentwettbewerb ausgesetzt. Bereits
in vielen sehen wir eine internationale, heterogene und
diversifizierte Belegschaft. HR-Manager werden ihre
Talentinfrastruktur überdenken müssen", so Kern. "Erfolgreiche
Unternehmen navigieren durch die Veränderungen in der Arbeitswelt,
indem sie passende Antworten und Angebote für Talente und
Führungskräfte entwickeln, die HR-Arbeit modern gestalten und das
alles gut kommunizieren und ernsthaft umsetzen."
Über Mercer (www.mercer.com)
Mercer zählt mit rund 20.000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern
zu den führenden globalen Anbietern von Dienstleistungen in den
Bereichen Talent, Health, Retirement und Investments. Die Berater von
Mercer unterstützen Unternehmen bei der Gestaltung und dem Management
der beruflichen Altersvorsorge, und der Krankentaggeld- und
Unfallversicherung sowie bei der Optimierung des Human
Capital-Managements. Das Unternehmen ist überdies einer der führenden
Anbieter von Verwaltungslösungen für betriebliche Nebenleistungen.
Die Mercer-Dienstleistungen im Bereich Investments beinhalten das
Investment Consulting sowie Multi-Manager Investment-Produkte. Das
Unternehmen ist Teil der Marsh & McLennan Companies,
Inc.(www.mmc.com). Die Aktie der Muttergesellschaft ist mit dem
Ticker-Symbol MMC an den Börsen New York und Chicago notiert.
Mercer Deutschland (www.mercer.de)
In Deutschland ist Mercer mit über 600 Mitarbeitern unter anderem
an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig,
München und Stuttgart vertreten. Die Schwerpunkte der
Geschäftstätigkeit liegen in der Beratung von Unternehmen rund um
betriebliche Altersversorgung,Vergütung, Human Capital-Strategie, M&A
und Investments sowie Pensions Administration.
Pressekontakt:
Steffen Zwink
E-Mail: steffen.zwink@mercer.com
Tel.: +49 (0) 69 689778 665
Corinna Rygalski
E-Mail: corinna.rygalski@mercer.com
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Datum: 30.06.2016 - 11:00 Uhr
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