20 Jahre HIV-Therapie: Ein langes und erfülltes Leben ist möglich
ID: 1377598
Ausbruch von Aids lässt sich verhindern / Behandlung schützt auch vor
HIV-Übertragung / Aber: 13.000 wissen nichts von ihrer Infektion /
Deutsche AIDS-Hilfe informiert über Vergangenheit, Gegenwart und
Zukunft der HIV-Behandlung / Pressebild verfügbar
Vor genau 20 Jahren wurde die Kombinationstherapie gegen HIV der
Öffentlichkeit vorgestellt - bei der XI. Internationalen
Aids-Konferenz vom 7. bis 12. Juli 1996 im kanadischen Vancouver.
Seitdem ist eine dauerhaft wirkungsvolle Behandlung der HIV-Infektion
möglich, eine Aids-Erkrankung lässt sich vermeiden und oft sogar
rückgängig machen. Viele Menschen kehrten damals buchstäblich vom
Sterbebett zurück ins Leben. "Das AIDS-Wunder" nannte es der Spiegel.
"Die Einführung der Kombinationstherapie hat alles verändert",
sagt Winfried Holz vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe. "Menschen
mit HIV können heute nicht nur alt werden, sondern das Leben auch in
jeder Hinsicht genießen. Leider wissen viele Menschen noch nichts von
diesen Veränderungen."
Kombinationstherapie verhindert auch HIV-Übertragung
Heute haben HIV-positive Menschen bei rechtzeitiger Diagnose eine
fast normale Lebenserwartung. Ihnen stehen alle Möglichkeiten offen:
Sie können jeden Beruf ausüben, jeder Freizeitaktivität nachgehen und
unbeschwert Sexualität erleben. Wenn sie möchten, können sie auf
natürlichem Wege gesunde Kinder zeugen beziehungsweise zur Welt
bringen. Denn eine gut wirksame HIV-Therapie verhindert auch die
Weitergabe des Virus.
Veraltete Vorstellungen vom Leben mit HIV und irrationale
Übertragungsängste führen allerdings noch immer zu Ausgrenzung und
Diskriminierung von Menschen mit HIV. Dazu erklärt Winfried Holz:
"Die sozialen Probleme wiegen für die meisten HIV-positiven Menschen
heute schwerer als die medizinischen. Die Möglichkeit, ein erfülltes
Leben zu führen, wird oft durch Diskriminierung wieder getrübt. Es
wird Zeit, dass die Gesellschaft den Fortschritten der Medizin
folgt!"
Wer ein HIV-Risiko hatte, sollte sich testen lassen
Mehr als 70 Prozent der 83.000 Menschen mit HIV in Deutschland
nehmen HIV-Medikamente. Rund 13.000 wissen allerdings nichts von
ihrer Infektion - und werden deswegen auch nicht behandelt. Viele
verdrängen HIV-Risiken und gehen nicht zum Test - aus Angst vor
schwerer Krankheit und Ausgrenzung. Bittere Pointe: Mehr als 1.000
Menschen pro Jahr erkranken genau deswegen an Aids, obwohl es
vermeidbar ist.
DAH-Vorstand Winfried Holz:
"Die Botschaft ist klar: Wer ein HIV-Risiko hatte, sollte sich
testen lassen - nur so kann man gegebenenfalls die Aids-Erkrankung
verhindern. Zugleich müssen wir alles dafür tun, die Diskriminierung
von Menschen mit HIV zu beenden und ein realistisches Bild vom Leben
mit HIV zu vermitteln."
Artikelserie zu 20 Jahren Kombi-Therapie
Die Deutsche AIDS-Hilfe würdigt das Jubiläum der antiretroviralen
Therapie (ART) - so die heute gängige Bezeichnung - mit einer
Artikel-Serie auf www.magazin.hiv. Sie widmet sich dem
"Lazarus-Moment" vieler Kranker von damals ebenso wie dem Alltag mit
der HIV-Therapie heute, der aktuellen Forschung und der Frage, ob
eine Heilung in absehbarer Zeit denkbar ist. Zu Wort kommen Menschen
mit HIV sowie Expert_innen aus Medizin und Aidshilfe-Arbeit.
HIV-Medikamente verhindern Virus-Vermehrung
HIV-Medikamente blockieren die Vermehrung des HI-Virus im Körper.
Nach einiger Zeit sind im Blut keine Viren mehr nachweisbar. Zwar
befinden sich dann noch HI-Viren in verschiedenen Körperzellen, sie
können das Immunsystem aber kaum noch schädigen.
Den Durchbruch brachte 1996 die Kombination von in der Regel drei
Substanzen, darunter die damals in Vancouver präsentierten
Protease-Hemmer, die verhindern, dass von HIV befallene Körperzellen
neue Viren zusammensetzen.
Das erste HIV-Medikament, AZT, ist bereits seit 1987 im Gebrauch.
Beim alleinigen Einsatz dieser Substanz entwickelt das HI-Virus aber
schnell Resistenzen, wird also unempfindlich gegen den Wirkstoff.
Artikelserie zum Thema: http://bit.ly/20JahreHIV-Therapie
Mehr Informationen zur HIV-Therapie:
https://www.aidshilfe.de/behandlung
Pressebild (HIV-Medikamente) verfügbar unter
https://dl.dropboxusercontent.com/u/1751352/Medikament_BAH-202.jpg
(Credit: DAH/Renata Chueire)
Pressekontakt:
Deutsche AIDS-Hilfe
Holger Wicht
Pressesprecher
Tel. (030) 69 00 87 - 16
holger.wicht@dah.aidshilfe.de
www.aidshilfe.de
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Datum: 07.07.2016 - 12:34 Uhr
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