620.000 mittelständische Unternehmen planen bis 2018 Übergabe oder Verkauf an Nachfolger

620.000 mittelständische Unternehmen planen bis 2018 Übergabe oder Verkauf an Nachfolger

ID: 1378393
(ots) -

- Nachfolgerbedarf steigt weiter an
- Jeder sechste Mittelständler betroffen
- Starker Arbeitsmarkt bremst potenzielle Übernahmegründer

Jeder sechste mittelständische Unternehmer in Deutschland plant,
bis zum Jahr 2018 sein Unternehmen an einen Nachfolger zu übergeben
oder zu verkaufen. Das sind etwa 620.000 Unternehmen mit etwa 4
Millionen Beschäftigten, wie eine aktuelle Studie von KfW Research
auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels zeigt. Der
Generationenwechsel im Mittelstand legt damit an Tempo zu: Vor drei
Jahren hatten noch 14 % bzw. 530.000 Mittelständler von kurzfristig
anstehender Nachfolge berichtet. Einen geeigneten Nachfolger zu
finden wird jedoch nicht leichter: Die Zahl der Gründer in
Deutschland sinkt insgesamt - und mit ihr auch die Zahl derjenigen
Gründer, die in Form einer so genannten Übernahmegründung ein
bestehendes Unternehmen weiterführen.

"Es zeichnet sich immer deutlicher ein demografischer Engpass bei
der Nachfolge ab", sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW
Bankengruppe. "Die Alterung erhöht Jahr für Jahr die Zahl der
Unternehmen, die zur Übergabe anstehen. Die jüngeren Generationen
sind aber zu dünn besetzt, weshalb die Nachfolger fehlen. Vor allem
die Babyboomer werden in den kommenden 20 Jahren eine Lücke auf den
mittelständischen Chefetagen hinterlassen." Gleichzeitig dämpft die
gute Arbeitsmarktlage in Deutschland die Gründungsneigung in
Deutschland. Die Zahl der Übernahmegründer, die ein bestehendes
Unternehmen fortführen, sinkt seit Jahren. "Im Jahr 2002 gab es noch
rund 200.000 Übernahmegründer - 2015 waren es nur 62.000", sagt
Zeuner. "Damit gibt es aktuell jährlich etwa dreimal so viele
übergabebereite Unternehmer wie Übernahmegründer."

Die Unternehmensübergabe erfolgreich zu gestalten, wird folglich


mehr und mehr zu einer zentralen Herausforderung für den Mittelstand.
Wenn die Übergabe verschleppt wird oder sogar scheitert, geraten
Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze unter Druck.
Volkwirtschaftlich ist das ein akutes Problem, denn viele
Mittelständler machen sich erheblich zu spät Gedanken über das Thema
Nachfolge oder unterschätzen den Zeitbedarf. Von den Inhabern kleiner
und mittlerer Unternehmen, die binnen drei Jahren übergeben wollen,
haben lediglich 42 % den Nachfolgeprozess gestartet, weitere 22 %
haben konkrete Planungen. Das heißt aber auch: Rund ein Drittel der
Unternehmer hat wenig bis nichts unternommen, für sie droht die Zeit
knapp zu werden.

Immerhin die Hälfte des Mittelstands identifiziert die frühe
Nachfolgersuche und eine mehrjährige Planung als wichtige
Erfolgsfaktoren der Unternehmensnachfolge. Die größte Bedeutung
messen die Unternehmer allerdings der intensiven Einarbeitung des
Nachfolgers (72 %) und dem Erhalt von Kunden und Lieferanten (60 %)
bei. Die Modernisierung des Unternehmens im Vorfeld der Übergabe wird
hingegen nur selten als wichtiger Erfolgsfaktor angesehen (13 %).
Diese Einschätzung kann zu Problemen führen, denn auch in den Jahren
vor dem Rückzug sollten Inhaber die Wettbewerbsfähigkeit und
Attraktivität ihres Unternehmens kritisch überprüfen - und wenn nötig
investieren.

Die aktuellen Studien von KfW Research mit den Titeln "Alterung
treibt Nachfolgerbedarf im Mittelstand: 620.000 Übergaben bis 2018"
sowie "3-mal mehr übergabebereite Unternehmen als Übergabegründer"
sind abrufbar unter www.kfw.de/fokus.



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Datum: 11.07.2016 - 09:15 Uhr
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