taz: Kommentar zur italienischen Bankenkrise
ID: 1378697
Bankenkrise
Flucht der Anleger
So ist das, wenn große Krisen drohen: Alle geben sich ganz
gelassen. Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi versichert Tag für
Tag, das Bankensystem seines Landes sei doch eigentlich grundsolide,
die echten Problemfälle säßen "woanders". Auch Ignazio Visco,
Präsident der Banca d'Italia, sieht zwar "Nervosität" bei den
Märkten, gibt sich aber weiter unverdrossen zuversichtlich.
Doch was sich letzte Woche an der Börse in Mailand abspielte,
hatte eher die Züge von Panik denn von ein bisschen "Nervosität".
Binnen zwei Tagen rauschte die Aktie des Monte dei Paschi di Siena
(MPS), der drittgrößten Bank des Landes, um mehr als 30 Prozent nach
unten, weil die EZB einen drastischen Abbau der faulen Kredite in den
Büchern gefordert hatte.
Plötzlich nimmt die Finanzwelt zur Kenntnis, was alle schon
wussten: Italiens Banken halten uneinbringliche Kredite in Höhe von
210 Milliarden Euro - Staatshilfen sind aber seit 2015 in der
Eurozone ausgeschlossen. Die Folge liegt auf der Hand: Kaum kommt
eine Bank ins Gerede, treten die Anleger die Flucht an, weil sie
fürchten müssen, ihr gesamtes Kapital zu verlieren.
MPS aber braucht mit hoher Sicherheit 3 Milliarden Euro frisches
Kapital, um den EZB-Sanierungsforderungen genügen zu können. "Die
Märkte" werden dieses Geld nie und nimmer bereitstellen.
Für Europa - und das heißt wieder einmal: für Brüssel und Berlin -
gibt es wie schon bei Ausbruch der Eurokrise eine klare Alternative.
Entweder insistiert die EU, insistiert die Eurogruppe darauf, dass
jeder "seine Hausaufgaben" macht, auch wenn die Folgen für die
Finanzmärkte und damit für die Stabilität des Euro dramatisch, ja
unkalkulierbar sein könnten. Oder es lässt jene Staatshilfen zu, die
im Ausnahmefall ja durchaus zulässig wären. Denn nur Italiens
Regierung könnte mit einer entschlossenen Intervention den MPS retten
und damit den Ausbruch eines Flächenbrands verhindern.
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Datum: 11.07.2016 - 16:28 Uhr
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