taz-Kommentar von Katrin Gänsler über die stockende Hilfe für Vertriebene in Nigeria/
Opfer zweiter Klasse
ID: 1384180
der Welt groß. Die Binnenflüchtlinge, vor allem aber die
katastrophale Versorgungslage im Land, haben überall Schlagzeilen
gemacht. Die Bilder sterbender Kinder - es könnten bis zu 134 pro Tag
sein - in Flüchtlingscamps möchte schließlich niemand sehen. Trotzdem
wird das Entsetzen bald wieder abklingen. Bereits jetzt wirkt es, so
ehrlich es sein mag, etwas geheuchelt. Denn die Krise in Afrikas
einwohnerreichstem Staat ist alles andere als neu.
Die Terrorgruppe Boko Haram hat über viele Jahre im Nordosten
gewütet und gut 2 Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Schon
2014, als die Miliz immer weitere Teile des Nordostens einnahm, gab
es viele Klagen über die prekäre Versorgungslage. Doch weder der
nigerianische Staat noch internationale Organisationen interessierten
sich besonders dafür. Der Grund dafür ist, dass die große Mehrheit
der Menschen nicht in Lagern lebt, sondern meist bei Verwandten in
Dörfern Unterschlupf gefunden hat. Damit leben die Binnenflüchtlinge
zu verstreut und haben keine Lobby, weshalb das Elend gerade in den
entlegenen Dörfern als viel größer eingeschätzt wird. Da die Region
trotz zahlreicher Erfolgsmeldungen im Kampf gegen den Terror
weiterhin als schlecht gesichert gilt, wird es auch in absehbarer
Zeit keine Unterstützung für jene geben, die Hilfe am nötigsten
haben.
Die Sicherheitslage dient nun in der Hungersnot als
Entschuldigung, die aber nur zum Teil funktioniert. Nicht nur in
Borno gibt es Binnenflüchtlinge, sondern auch im Nachbarbundesstaat
Adamawa sowie rund um die Hauptstadt Abuja. Gerade dort kann niemand
argumentieren, dass es zu gefährlich sei, Hilfe zu leisten.
Tatsächlich hat sich nie jemand dafür interessiert. Die Situation
vieler Menschen mag zwar nicht so katastrophal wie am Tschadsee sein.
Aber auch dort sind Essen und Geld knapp. Flüchtlingskindern wurde
häufig der Schulbesuch mit der Begründung fehlender Zeugnisse
verweigert. Die Rückkehr in die Heimat gilt als problematisch.
Nigeria hat schon im Fall von Chibok den Fehler gemacht, Opfer in
zwei Klassen einzuteilen: die Schülerinnen aus dem kleinen Ort in
Borno und alle anderen, die ebenfalls von Boko Haram entführt wurden,
aber für die es kaum Interesse gab. Dieser Fehler wiederholt sich
gerade.
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Datum: 27.07.2016 - 17:17 Uhr
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