taz-Kommentar zum ASEAN-Gipfel
ID: 1398036
der Rolle Chinas
Pekings langer Hebel
Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hätte es sich zweimal
überlegen sollen, den US-Präsidenten als "Hurensohn" zu beschimpfen.
Barack Obama hatte Duterte bei seiner brutalen Drogenpolitik um
Mäßigung gebeten. Der wollte sich Belehrungen der jahrzehntelangen
Schutzmacht nicht länger anhören. Unbeherrscht, wie er ist, griff er
den US-Präsidenten verbal an. Dabei benötigt Duterte die
Unterstützung der USA mehr denn je - und zwar gegen die immer
mächtigeren Chinesen.
Im Territoritialstreit um das Südchinesische Meer schüttet China
unbeirrt aller Kritik Inseln auf. Die Philippinen und andere
Anrainerstaaten haben Erkenntnisse, dass die Chinesen rund 250
Kilometer vor der philippinischen Küste Sand und Beton auf das
Scarborough-Riff kippen, um es militärisch zu nutzen. Das verstößt
gegen Internationales Seerecht - was der Internationale Gerichtshof
in Den Haag im Juli bestätigte.
Dutertes Ansinnen, das belastete Verhältnis zwischen Peking und
Manila verbessern zu wollen, mag zwar ehrenwert klingen. Doch
ausgerechnet mit den chinesischen Hardlinern anzubandeln ist nicht
nur extrem naiv. Duterte überschätzt sich auch. Peking nimmt die
Philippinen schon lange nicht mehr ernst. Zugleich weiß die
chinesische Führung: Sie sitzt am längeren Hebel. Die anderen
Anrainerstaaten können noch so viel protestieren - sich ernsthaft mit
China militärisch anlegen, wagt keiner. Die USA sind die Einzigen,
die den Chinesen Kontra geben können.
Nur gut für die Philippinen, dass Obama nicht nachtragend ist und
den cholerischen Ausfall ihres Präsidenten nicht überbewertet. Ein
ursprünglich vorgesehenes Treffen mit Duterte beim Asean-Gipfel in
Laos hat Obama zwar abgesagt. Doch die USA werden den Philippinen
auch weiter beistehen - zu sehr wiegt das Eigeninteresse, eins der
inzwischen weltweit wichtigsten Seegebiete für die weltweite
Handelsschifffahrt nicht völlig den Chinesen zu überlassen.
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Datum: 08.09.2016 - 15:31 Uhr
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