Lausitzer Rundschau: Steile These - ernstes Anliegen
Zu Arztbesuchen und wachsenden Kosten im Gesundheitswesen
ID: 1400286
Deutschland einen niedergelassenen Arzt auf. Das ist ein Spitzenwert.
Statistiken in anderen europäischen Ländern weisen niedrigere Werte
aus. Doch lässt sich daraus ableiten, dass die Mediziner ohne Grund
kontaktiert werden? Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH),
Ingo Kailuweit, meint ja: Die Hälfte der Arztbesuche sei überflüssig,
erklärte er jetzt in einem Boulevardblatt. Doch Belege gibt es nicht.
Der europäische Vergleich taugt schon deshalb wenig, weil sich die
medizinischen Versorgungsstrukturen von Land zu Land zum Teil
erheblich unterscheiden. In Deutschland ist der ambulante und
stationäre Bereich immer noch klar getrennt. Anderswo dagegen sind
ambulante Behandlungen in den Kliniken normal. So läuft man Gefahr,
Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Die steile These des KKH-Chefs dient
freilich auch eher dem Zweck, ein Problem anzusprechen, das
tatsächlich stärker zu diskutieren wäre: die galoppierenden Kosten im
Gesundheitswesen. Nach der Prognose des Spitzenverbandes der
Krankenkassen könnte der durchschnittliche Zusatzbeitrag deshalb in
den nächsten Jahren um jeweils etwa 0,2 Prozent zulegen. Mit den
vielen Arztbesuchen hat das freilich weniger zu tun. Kostentreiber
sind in erster Linie neue und immer teurere Medikamente, aber auch
zahlreiche politische Vorgaben zur Verbesserung der
Behandlungsqualität. Versorgungsstärkungsgesetz, Präventionsgesetz,
Krankenhausreform, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Vieles davon
ist vernünftig und richtig, aber eben nicht zum Nulltarif zu haben.
Mit kostendämpfenden Maßnahmen - aus Patientensicht immer ein
Ärgernis - hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe dagegen
stark zurückgehalten. Auf der Habenseite steht praktisch nur die
Verlängerung des Preismoratoriums für Arzneimittel. Allerdings
erweist sich dieses Instrument zunehmend als stumpfes Schwert, weil
Pharmafirmen ihre Preise nur für jene Medikamente beibehalten müssen,
die bereits vor dem Jahr 2011 auf dem Markt waren. Für neue Präparate
gilt die Auflage nicht. KKH-Chef Kailuweit ist indes davon
überzeugt, dass Gröhe zu größeren Sparanstrengungen verdammt wäre,
wenn sich die Arbeitgeber an den Kostensteigerungen beteiligen
müssten. Die würden schon Druck machen. Wenigstens damit liegt er
nicht ganz falsch. Gegenwärtig zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
einen Grundbeitrag von jeweils 7,3 Prozent vom Bruttolohn. Für die
Arbeitnehmer kommt aber noch der Zusatzbeitrag von aktuell
durchschnittlich 1,1 Prozentpunkten hinzu. Tendenz, wie beschrieben,
steigend. Womit sich freilich auch auf dieser Seite der Reformdruck
erhöht. Spätestens im Wahlkampf dürfte das Thema eine große Rolle
spielen.
Pressekontakt:
Lausitzer Rundschau
Telefon: 0355/481232
Fax: 0355/481275
politik@lr-online.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 14.09.2016 - 20:18 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1400286
Anzahl Zeichen: 3144
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Cottbus
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 365 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Lausitzer Rundschau: Steile These - ernstes Anliegen
Zu Arztbesuchen und wachsenden Kosten im Gesundheitswesen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Lausitzer Rundschau (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Es ist übertrieben, Restaurantbesuche in der Corona-Pandemie noch stärker zu beschränken - indem wie jetzt in Sachsen und Brandenburg Geimpfte und Genesene zusätzlich einen negativen Schnelltest vorweisen müssen. 2G plus bevorzugt die Geboosterten vor jenen Erwachsenen beim Essen gehen, die
Fehlende Lobby für die Lausitz? - Zu den Abgeordneten in Bundestagsausschüssen ...
Für die Lausitz wird es ernst im Strukturwandel. Wichtige Entscheidungen zum Kohle-Ausstieg, aber auch zur Verteilung der zugesagten Milliarden-Zahlungen zur Anpassung des Wandels stehen an. Ein wichtiges Wort spricht dabei der Bundestag mit. Die entsprechenden Gesetze müssen dort verabschiedet
Sachsens neue Bürgerlichkeit - zum Regierungsbündnis in Corona-Zeiten ...
Meißen wird gern als die Wiege Sachsens bezeichnet. Aktuell hat der Kreis rund um die alte Bischofsstadt an der Elbe einen traurigen Rekord zu vermelden. Mit 2328,1 führt er die Inzidenz-Statistik an, dicht gefolgt vom benachbarten Mittelsachsen mit 2099,4. Das sind erschreckend hohe Zahlen, fü
Weitere Mitteilungen von Lausitzer Rundschau
Lausitzer Rundschau: So flexi wie ein Holzbalken Zum Gesetzentwurfüber die Flexi-Rente ...
Das Flexi-Renten-Konzept der Großen Koalition ist ungefähr so flexi, wie ein Holzbalken weicher als eine Stahlstrebe ist: nur geringfügig. Vor allem ist die Regelung immer noch so kompliziert, dass kaum mehr als bisher davon Gebrauch machen werden. Zumal auf die Nutzer die Gefahr lauert, dass
Rheinische Post: Erdogan-Anhänger bedrohen Bananensprayer Thomas Baumgärtel ...
Der als Bananensprayer bekannte Künstler Thomas Baumgärtel sieht sich von Anhängern des türkischen Präsidenten Erdogan bedroht. Baumgärtel stellt seit dem Wochenende im Kunstverein Langenfeld aus und zeigt dort unter anderem ein Bild Erdogans in gebückter Haltung mit Banane im After. Er hab
WAZ: Juristen im Scheinwerferlicht - Kommentar von Stefan Wette zu Kameras vor Gericht ...
Eigentlich ist der Streit um Kameras im Gerichtssaal eine Scheindebatte. Denn an die Ausstrahlung eines Gerichtsfernsehens wie in den USA denkt in Deutschland kaum jemand, vor allem nicht die Richter. Und so wird an Formulierungen gefeilt, mit welchen Einschränkungen die Medienpräsenz der Ger
Mitteldeutsche Zeitung: zu Beckenbauer ...
Hat sich der "Kaiser" seine Arbeit für die WM 2006 mit Millionen Euro vergolden lassen, könnte das dazu beitragen, eine ohnehin schon wacklige Säule des Sports einzureißen: das Ehrenamt. Ohne die 8,6 Millionen Freiwilligen müsste das System kollabieren, ohne die freiwil




