Schwäbische Zeitung: Überraschung in Algier - Leitartikel zu OPEC
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Monate nicht zu rechnen: Die beiden Erzfeinde Saudi-Arabien und Iran
haben sich auf der Opec-Konferenz in Algeriens Hauptstadt Algier am
späten Mittwochabend zusammengerauft und eine Beschränkung der
Fördermenge beschlossen. Um 750000 auf 33 Millionen Fass soll die
Produktion gedrosselt werden.
Die Strategie des Ölkartells, unliebsame Wettbewerber mit hohen
Fördermengen und niedrigen Preisen aus dem Markt zu schwemmen, ist
damit gescheitert. Die Löcher im Staatshaushalt in Riad und Teheran
waren wohl zu groß, als dass beide Länder das Wettpumpen noch länger
hätten durchhalten können.
Die Reaktion auf die Entscheidung folgte prompt: Die Ölpreise
zogen sofort um über sechs Prozent an. Dass Industrie und Verbraucher
in Deutschland nun mit weiter anziehenden Notierungen rechnen müssen,
und in der Konsequenz die Preise für Benzin und Heizöl steigen, ist
aber unwahrscheinlich.
Das liegt an der schwachen Nachfrage angesichts einer mauen
Weltkonjunktur und an der mangelnden Disziplin der Kartellmitglieder.
In der Vergangenheit sind beschlossene Fördergrenzen immer wieder
missachtet worden. Dagegen spricht auch, dass die Opec heute längst
nicht mehr die Marktmacht von früher hat. Zwar stellt das Kartell
mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit und
Saudi-Arabien ist nach wie vor der größte Lieferant. Doch liegen die
USA und Russland nur noch knapp dahinter. Und beide Länder scheren
sich nicht um die Absprachen von Algier.
Die Förderer in den USA sind es auch, die die Pläne der Opec
durchkreuzen könnten. Denn steigt der Ölpreis weiter, erwacht die
darniederliegende Fracking-Industrie zu neuem Leben. Die Produktion
mit der umstrittenen Fördermethode war zuletzt zu teuer, weshalb in
den vergangenen Monaten Hunderte Bohrlöcher geschlossen wurden. Doch
bei Preisen um 50 US-Dollar das Fass kratzen viele Fracker wieder an
der Gewinnschwelle. Das wird die Ölpreise nach oben hin deckeln.
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Datum: 29.09.2016 - 19:53 Uhr
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