Hochschul-Barometer: Investitionslücke von 26 Milliarden Euro an deutschen Hochschulen

Hochschul-Barometer: Investitionslücke von 26 Milliarden Euro an deutschen Hochschulen

ID: 1411177
(ots) - Die Hochschulleitungen schätzen, 26 Milliarden Euro
sind notwendig, um den Nachholbedarf in der Infrastruktur an ihren
Einrichtungen zu decken. Weitere aktuelle Herausforderungen sehen sie
in der Drittmittelfinanzierung. Die Einnahmen reichen nur selten aus,
alle indirekten Projektkosten wie Verwaltung und Infrastrukturnutzung
abzudecken. Private Kooperationspartner leisten dabei deutlich höhere
Beiträge als öffentliche Drittmittelgeber. Das sind Ergebnisse des
aktuellen Hochschul-Barometers des Stifterverbandes und der Heinz
Nixdorf Stiftung.

Mehr als 9.000 Euro pro Studierenden müssten aufgebracht werden,
um dem hohen Investitionsbedarf an Hochschulen nachzukommen. Der
Investitionsstau umfasst beispielsweise die Sanierung und den Neubau
von Gebäuden, den Kauf neuer Lehr- und Forschungsausstattung oder
Maßnahmen für eine angemessene IT-Infrastruktur. Der
Investitionsbedarf ist an staatlichen Hochschulen fünfmal so hoch wie
an privaten Einrichtungen. Bei den Bundesländern haben Berlin und
Hessen einen besonderen Nachholbedarf. Hier schätzen die befragten
Präsidenten und Rektoren die Investitionslücke ein Drittel höher ein
als der Durchschnitt. Allerdings steigt der Indikator, der die
Erwartungen zur Ausstattung in fünf Jahren misst. Es gibt also die
Hoffnung, dass in Zukunft wieder etwas mehr in die Ausstattung der
Hochschulen investiert wird.

Für die Hochschulleitungen nehmen Kooperationen im
Hochschul-Alltag einen immer höheren Stellenwert ein. Dabei wird
nicht nur die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft als
wichtig angesehen. Auch die Zivilgesellschaft rückt hier stärker in
den Fokus. Wissenstransfer entwickelt sich in den Hochschulen neben
Lehre und Forschung zur wichtigsten Aufgabe. Die sogenannte dritte
Mission stellt die Hochschulen allerdings vor Herausforderungen:


Während die direkten Projektkosten mit den dazu eingeworbenen Mitteln
finanziert werden können, sagt knapp die Hälfte aller
Hochschulleiter, dass die Verwaltungs- und weitere Gemeinkosten nur
teilweise abgedeckt werden. Dabei zahlen private Partner aus der
Wirtschaft jedoch im Durchschnitt deutlich mehr (bis zu 39 Prozent)
als öffentliche Mittelgeber (22 Prozent).

"Hochschulen stehen vor einem Dilemma. Sie sollen kooperieren,
doch sie können kaum Vereinbarungen erzielen, die einerseits
kostendeckend und andererseits attraktiv für die Partner sind. Das
wird zum Wettbewerbsnachteil in einem Innovationssystem, das
zunehmend kollaborativ und vernetzt ist", stellt Volker Meyer-Guckel,
stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes, zu den
Ergebnissen fest.

Insgesamt sehen die Hochschulleitungen die aktuelle Lage und die
Entwicklung in den nächsten Jahren recht positiv. Der Gesamt-Index
des Hochschul-Barometers ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Punkte
leicht gefallen und liegt im Jahr 2015 bei 22,9. Dabei sind private
Universitäten mit Abstand zufriedener als staatliche Einrichtungen.
Große Hochschulen sind optimistischer als kleinere. Auffallend ist
dabei, dass die Stimmung in den Universitäten verhalten ist, die
durch die aktuelle Exzellenzinitiative gefördert werden.

"Die Spitzenforschung deutscher Hochschulen ist ein wichtiger
Innovationsfaktor für den Standort", sagt Horst Nasko, Vorstand der
Heinz Nixdorf Stiftung. "Die Politik muss hier kontinuierlich an der
Verbesserung der entsprechenden Rahmenbedingungen arbeiten."

Sorgenvoll blicken die Hochschulleiter beim Thema Autonomie in die
Zukunft. Im Moment nehmen sie ihre Entscheidungsspielräume als noch
ausreichend wahr. Doch immer mehr Hochschulleiter glauben, dass die
Entscheidungsspielräume ihrer Einrichtung in Zukunft enger werden.
Die zukünftige Autonomie ist im entsprechenden Index auf fast null
gefallen und ist damit der Indikator, der von den Hochschulleitungen
am schlechtesten bewertet wird. Im Jahr 2011 lag der Erwartungsindex
beim Thema Autonomie noch bei 22,6.

Weitere Informationen zum aktuellen Hochschul-Barometer finden Sie
unter: http://www.hochschul-barometer.de/

Das Hochschul-Barometer ist ein Stimmungsbarometer deutscher
Hochschulleitungen. In einer jährlichen, repräsentativen Umfrage
wollen der Stifterverband und die Heinz Nixdorf Stiftung von allen
Rektoren und Präsidenten der Hochschulen in Deutschland wissen, wie
sie ihre momentane Situation und ihre Perspektiven einschätzen. Die
Antworten werden auf einer Bewertungsskala von -100 (negativster
Wert) bis +100 (positivster Wert) dokumentiert. Erfasst werden
rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, Kooperationen und
Partnerschaften sowie die Wettbewerbsfähigkeit in Forschung und
Lehre. Schwerpunktthemen im aktuellen Hochschul-Barometer waren
Zwischen Spitzenforschung und Dritter Mission: Die Rolle der Politik
und Studium für Flüchtlinge: Integration durch Hochschulbildung.
Diese Ergebnisse wurden bereits im Frühjahr veröffentlicht.

Kontakt Hochschul-Barometer
Pascal Hetze
T 030 322982-506
pascal.hetze@stifterverband.de



Pressekontakt:
Kontakt Presse
Peggy Groß
T 030 322982-530
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Datum: 12.10.2016 - 09:50 Uhr
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