Börsen-Zeitung: Das Risiko der Saudi-Bonds, Marktkommentar von Kai Johannsen
ID: 1415517
der gerade zu Ende gegangenen Woche - mit 17,5 Mrd. Dollar die
bislang größte Anleihetransaktion eines Schwellenlandes - ist ein
voller Erfolg gewesen. Zumindest für Saudi-Arabien. Denn die Saudis
sind nun auch auf den Zug aufgesprungen und haben den Trend an den
weltweiten Bondmärkten hin zu immer tieferen Anleihezinsen für sich
genutzt. Besser hätte diese Debüt gar nicht ausfallen können, die
Investoren rissen sich um die Bonds.
Um eines klarzustellen: Es ist zwar das Erstlingswerk der Saudis,
es wurden aber auch schon andere Ölstaaten in diesem Jahr vorstellig
bei den Bondinvestoren. Bahrain, Abu Dhabi, Oman und Katar haben
Bonds emittiert. Doch diese vier zusammen brachten es auf ein Volumen
von insgesamt rund 20 Mrd. Dollar, da ist die Größenordnung von
Saudi-Arabien schon eine andere Liga.
Und man muss sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, welche
Konditionen die Saudis einbuchen konnten. Für die fünfjährige
Laufzeit zahlen sie einen Kuponzins von 2,375 Prozent, für zehn Jahre
3,25 Prozent und für 30 Jahre Laufzeit brauchten sie den Anlegern nur
noch einen Kupon von 4,5 Prozent auf das Ticket zu schreiben. Als im
vorigen Jahr die Sorgen um die Emerging Markets hochkochten und die
Anleger in Scharen davonliefen, hätten Saudi-Arabien und andere
Ölstaaten mit solchen Konditionen sich gar nicht erst auf den Weg zu
den Investoren zu machen brauchen, da hätten sie mit höheren Zinsen
locken müssen. Nun aber performen die Assets dieser Länder wieder,
die Investorenstimmung hat gedreht, und das Geld sitzt bei vielen
Adressen locker. Und wenn noch ein kleiner Aufschlag über den
US-Staatsanleihen zu verdienen ist, dann fließt das Geld in Strömen.
Anders ist es nicht mehr zu beschreiben.
Aber schaut sich irgendein Investor mal die mit diesen Assets,
sprich Bonds verbundenen Risiken auch mal an, und zwar nicht nur im
Spread- oder Renditevergleich zu anderen Staaten, die ja
bekanntermaßen auch nichts mehr an Zinsen bezahlen?
Selbstverständlich werden Ölstaaten wie Saudi-Arabien nicht morgen
alle zusammen den Gemeinschaftsbankrott erklären und damit die
Ratingagenturen für die Anleihen dieser Länder den Default erklären.
Aber man sollte sich schon die eine oder andere Entwicklung in diesen
Ländern mal durch den Kopf gehen lassen und sich fragen, ob für 30
Jahre Laufzeit 4,5 Prozent eine adäquate Kompensation des Risikos
darstellen. Das Asset, das diese Länder haben, ist bekanntlich im
Wesentlichen das Öl.
Der Ölpreisrückgang, der Mitte 2014 einsetzte, bescherte
Saudi-Arabien bereits für 2015 das Rekordhaushaltsdefizit von 98 Mrd.
Dollar oder 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Und wie lange diese
Staaten von ihrem Asset noch leben können und vor allem zu welchem
Preis sie es in den kommenden Jahren verkaufen können - wo steht der
Preis wohl in zehn oder 30 Jahren? -, wissen vermutlich auch die
ölexportierenden Staaten nicht. Des Weiteren sollte man sich auch mal
überlegen, wie gut die Ölstaaten noch eine Kontrolle über die
Preisgestaltung für ihr Asset haben. Richtig groß ist der
Zusammenhalt und die Preissetzungsmacht der Opec offenkundig nicht.
Man muss sich ja nur die gescheiterten Verhandlungen ins Gedächtnis
rufen.
Und noch etwas sollte Anleger nachdenklich stimmen. Die
Devisenreserven Saudi-Arabiens nehmen spürbar ab. Berichten zufolge
lagen sie 2014 - als die Ölwelt noch in Ordnung war - bei 732 Mrd.
Dollar. Gegenwärtig schätzen sie Experten noch auf 560 Mrd. Dollar.
Es ist von weiter fallender Tendenz auszugehen. Auch anderen Ländern
macht der Ölpreisverfall zu schaffen. Im Januar zog Norwegen mehr
Geld aus dem Staatsfonds ab, als hineinfloss - zum ersten Mal seit
der Einrichtung des Fonds vor 20 Jahren.
Solche Mittelentnahmen und der Abbau von Devisenreserven hätten in
einem Marktumfeld, das nicht von Quantitative Easing der Notenbanken
geprägt ist, zu einem sprunghaften Anstieg der Risikoaversion
geführt. Man würde höhere Kompensationen fordern. Nicht so heute.
Aber der Mega-Bond-Deal der Saudis markiert noch in einer anderen
Hinsicht einen Wendepunkt. Jahrelang haben Ölstaaten gut verdient,
und ihre Petrodollars waren Liquiditätsspender an den weltweiten
Anleihemärkten, gehörten diese Adressen doch zu den großen
Nachfragern von US-Treasuries, japanischen Staatsanleihen oder
solchen aus der Eurozone. Nun treten sie als Anbieter von Bonds auf.
Und wie Standard & Poor's schätzt, kommt noch eine Menge
Bondnachschub: Die Golfstaaten könnten bis 2019 einen Finanzbedarf
von bis zu 560 Mrd. Dollar haben. Es kommt also genügend Material, um
sich mal die Frage zu stellen, wo der richtige Preis fürs Risiko
liegt.
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Datum: 21.10.2016 - 20:35 Uhr
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