Lausitzer Rundschau: Zynischer Wahlkampf
Zur Räumung des Flüchtlingslagers in Calais
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Symbol für die Flüchtlingskrise geworden. Die Hafenstadt am
Ärmelkanal steht für das jahrzehntelange Versagen der französischen
Regierungen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas war bisher
unfähig, Tausende Flüchtlinge, die dort im Dreck leben, würdig
unterzubringen. Calais ist der Ort der Schande für Frankreich. Nach
viereinhalb Jahren im Amt kam Präsident François Hollande im
September zum ersten Mal dorthin, um die vollständige Räumung des
Lagers zu verkünden. Der Termin war kein Zufall, denn in sechs
Monaten wird in Frankreich gewählt. Grund, auch für viele andere
Politiker, sich plötzlich in Calais sehen zu lassen. Unter der Regie
des fremdenfeindlichen Front National wird ein zynischer Wahlkampf
mit den Flüchtlingen geführt. Die Auflösung des Lagers gehört dazu.
Sie ist natürlich eine gute Sache, denn niemand kann ernsthaft
wollen, dass der größte Slum Frankreichs weiter besteht. Doch die
Frage ist, wie die einstigen Bewohner des "Dschungels" anderswo
aufgenommen werden und was aus ihnen wird. Wer bleiben darf, wird
trotzdem große Schwierigkeiten haben, in die französische
Gesellschaft hineinzufinden. Die hohe Arbeitslosigkeit ist dabei die
größte Hürde. Deshalb wollen viele Flüchtlinge auch nicht bleiben,
sondern weiterziehen nach Großbritannien. Und der Weg dorthin wird
sie auch weiterhin über Calais führen. Der "Dschungel" wird
aufgelöst, doch das Thema Flüchtlinge ist damit noch nicht vom Tisch.
Dafür wird der Front National in den nächsten sechs Monaten schon
sorgen.
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Datum: 24.10.2016 - 20:08 Uhr
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