Landwirtschaft: Starke Einbußen und Einkommensrückgang im zweiten Jahr in Folge - DBV-Präsident R

Landwirtschaft: Starke Einbußen und Einkommensrückgang im zweiten Jahr in Folge - DBV-Präsident Rukwied stellt Situationsbericht zur wirtschaftlichen Entwicklung 2015/16 vor

ID: 1435859
(ots) - (DBV) "Die deutschen Bauern blicken erneut auf ein
sehr schwieriges Wirtschaftsjahr zurück. Milchbauern, Schweinehalter,
Ferkelerzeuger sowie Ackerbauern haben stark unter den niedrigen
Erzeugerpreisen gelitten. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe
verzeichneten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2015/16 - und damit im
zweiten Jahr in Folge - erhebliche Gewinneinbußen und
Einkommensrückgänge." Diese Bilanz zog der Präsident des Deutschen
Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, bei der Vorstellung des
aktuellen DBV-Situationsberichtes. Im Durchschnitt seien die
Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe
um 8 Prozent auf 39.700 Euro je Betrieb gesunken, nach einem Minus
von 34 Prozent im Vorjahr.

Den Zahlen des Situationsberichts 2016/17 liegt die Auswertung von
fast 13.000 Buchführungsergebnissen aus dem Wirtschaftsjahr 2015/16
(01.07.-30.06.) zugrunde. Das durchschnittliche Unternehmensergebnis
in 2015/16 entspreche umgerechnet einem monatlichen Bruttoeinkommen
von 2.300 Euro je Landwirt, von dem noch Sozialabgaben und Steuern
bestritten werden müssten. "Neuinvestitionen konnten daraus nicht
mehr finanziert werden", stellte Rukwied fest. Die Landwirte hätten
2015/16 massiv auf die Kostenbremse getreten; sie reduzierten die
Betriebsmittelkosten insgesamt um durchschnittlich 6 Prozent. Die
Ausgaben für Pachten sind jedoch um 4 Prozent und für Löhne um 2
Prozent gestiegen. "Das Wirtschaftsjahr 2015/16 hat in unseren
Bilanzen erneut tiefe Spuren hinterlassen", stellte Rukwied fest. Die
Liquidität war in vielen Betrieben stark angespannt, so dass mehr
Fremdkapital aufgenommen (plus 5 Prozent auf 207.000 Euro) und das
Investitionsvolumen gekürzt wurde (minus 16 Prozent auf 49.900 Euro).
Dementsprechend war eine ausreichende Eigenkapitalbildung um
betriebliche Existenz zu sichern in den meisten Fällen nicht möglich.


Der gesamte Produktionswert der deutschen Landwirtschaft ist um 3
Prozent auf etwa 50 Milliarden Euro zurückgegangen. Die
Erzeugerpreise sind in wichtigen Produktbereichen stark
zurückgegangen.

Im Wirtschaftsjahr 2015/16 lag die Höhe der EU-Betriebsprämien bei
durchschnittlich 24.300 Euro/Haupterwerbsbetrieb. "Die
EU-Direktzahlungen werden in solchen Preistälern zur
überlebenswichtigen Maßnahme, weil sie unmittelbar einkommenswirksam
sind", betonte Rukwied. Die Ackerbaubetriebe erzielten ein
Unternehmensergebnis je Landwirt von 38.000 Euro (minus 9 Prozent
gegenüber Vorjahr). Ursachen waren die niedrigere Ernte und die
geringeren Preise bei Getreide. So erzielte ein Landwirt für
Brotweizen im Schnitt 9 Prozent weniger. Dagegen konnten die
Kartoffelerzeuger mehr als den doppelten Preis des Vorjahres am Markt
erzielen. Die Milchbauern sahen sich mit einem durchschnittlichen
Preisrückgang von 17 Prozent gegenüber dem ohnehin niedrigen Niveau
des Vorjahres konfrontiert. Durch Kostenentlastungen bei
Futtermitteln und vor allem aufgrund der hinfällig gewordenen
Aufwendungen für Quotenpacht, Abschreibungen von Lieferrechten und
weggefallener Superabgaben schlug der Preiseinbruch nicht voll auf
die Ergebnisse durch, die auf 25.000 Euro Unternehmensgewinn je
Landwirt zurückgingen. Ein noch niedrigeres Ergebnis erreichten die
Rindermastbetriebe mit 22.500 Euro je Landwirt (minus 5 Prozent). In
den auf Schweine- und Geflügelhaltung spezialisierten
Veredlungsbetrieben verschlechterte sich das Unternehmensergebnis je
Landwirt um 10 Prozent auf 29.200 Euro. Die Sauenhalter und
Ferkelerzeuger mussten jedoch wesentlich höhere Einbußen verkraften
als die Schweinemastbetriebe. Auch für die Weinbaubetriebe endete das
Wirtschaftsjahr 2015/16 mit einem deutlichen Minus: ihr
Unternehmensgewinn je Winzer verringerte sich um 6 Prozent auf nur
noch 28.500 Euro. Die Agrargenossenschaften aus den neuen
Bundesländern haben das Wirtschaftsjahr mit hohen Jahresfehlbeträgen
von durchschnittlich 97.000 Euro abgeschlossen, hierbei ist zu
berücksichtigen, dass die Personalkosten darin enthalten sind. Die
Ausnahme bei den Gewinnentwicklungen des Wirtschaftsjahres 2015/16
bilden die rund 25.000 Ökobetriebe. Im Durchschnitt erhielt ein
Ökobetrieb 26.000 Euro zusätzliche Prämien zur Förderung des
Ökolandbaus und für Agrarumweltmaßnahmen, konventionell
bewirtschaftete Betriebe lagen bei 3.300 Euro. So konnten die
Ökobetriebe ihr Unternehmensergebnis je Landwirt um 21 Prozent auf
48.800 Euro verbessern. Mit Erneuerbaren Energien erlösen die
landwirtschaftlichen Betriebe geschätzt 5,7 Mrd. Euro,
schwerpunktmäßig mit Biogas (4,1 Mrd. Euro).

Für das laufende Wirtschaftsjahr 2016/17 gibt es in Teilmärkten
Anzeichen der Besserung: Die Marktentwicklungen lassen partiell etwas
stabilere Einnahmen erwarten. In der 2. Hälfte 2016 setzte eine
Erholung der Erzeugerpreise bei Milch und Schweinen ein. Wachsende
Preise und stärkere Nachfrage auch auf den internationalen Märkten
stützen den Markt. Vor allem die Exporte von Schweinefleisch und
Milchprodukten nach China zeigen in 2016 eine starke
Aufwärtsentwicklung. "Wir rechnen für das laufende Wirtschaftsjahr
2016/17 mit einer im Durchschnitt leichten Erholung der
Unternehmensergebnisse auf niedrigem Niveau. Das gilt für Milchvieh-
und Veredelungsbetriebe", erklärte Rukwied.



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Datum: 13.12.2016 - 16:07 Uhr
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