Lausitzer Rundschau: Von "Amis" und "Ösis"
Zur Kritik an der Kölner Polizei wegen des Einsatzes in der Silvesternacht
ID: 1440737
sie in der Silvesternacht für Sicherheit am Kölner Hauptbahnhof
gesorgt haben, beklagen sich einige politische Bedenkenträger nun
über den Begriff "Nafri" in einem Tweet der Beamten. Im polizeilichen
Sprachgebrauch steht er für "Nordafrikaner". Die an den Haaren
herbeigezogene Empörung über diese Nebensächlichkeit vernebelt nur
den Blick auf das Wesentliche. Denn die meisten Beamten hätten an
Silvester sicherlich etwas Besseres vorgehabt, als am Bahnhof Dienst
zu schieben. Dass ihr Einsatz dringend notwendig gewesen ist, zeigt
der Umstand, dass sich wie im vergangenen Jahr Hunderte Männer
offenkundig nordafrikanischer Herkunft verabredet hatten und nach
Angaben der Polizei sehr aggressiv auftraten. Wer da immer noch so
tut, als sei die Verwendung des richtigen Wortes in einer 140
Zeichen-Mitteilung bei Twitter wichtiger als die Verhinderung von
schlimmen Straftaten, der hat die Dimension dessen, was seinerzeit in
Köln passiert ist, nicht begriffen. Übrigens gibt es auch noch andere
Abkürzungen für so manche Herkunft, bei deren Verwendung nicht gleich
die Rassismus-Keule rausgeholt wird: "Amis" für Amerikaner, "Tommies"
für Briten, "Ösis" für Österreicher, "Krauts" für Deutsche, Wessis,
Ossis - die Liste lässt sich noch verlängern. In dieser speziellen
Situation, vor dem speziellen Hintergrund der Ereignisse des
vergangenen Jahres war es außerdem richtig, nach in Augenscheinnahme
der Personen rasch und konsequent zu handeln. Die meisten Beamten
haben im polizeilichen Alltag ein sicheres Gespür dafür, von wem wann
welche Bedrohung ausgehen könnte. Und da es immer häufiger bei
öffentlichen Veranstaltungen und Feiern eines großen Polizeiaufgebots
bedarf, sollte dies die Politik deutlich mehr aufschrecken als die
Verwendung des Wortes "Nafri" in einem Tweet.
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Datum: 02.01.2017 - 19:15 Uhr
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