Das Erste: "Bubis - Das letzte Gespräch" am Montag, 9. Januar 2017 um 23.30 Uhr im Ersten
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das Sonnenblumenhaus, in dem vor allem Vietnamesen leben. Anwohner
applaudieren und befeuern die rechts-radikalen Brandstifter. Als der
Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland den Tatort
besucht, kann er seine innere Bewegung kaum verbergen. Ignatz Bubis
ist schockiert und erschüttert angesichts der schieren Gewalt. Ein
lokaler CDU-Politiker findet, dass Bubis hier nichts zu suchen habe,
seine Heimat sei doch Israel. Wenige Monate vor seinem Tod gibt
Ignatz Bubis im Jahre 1999 sein letztes Interview. Seine Lebensbilanz
ist unüberhörbar: "Ich habe nichts oder fast nichts erreicht." Das
Gespräch mit den beiden Journalisten Michael Stoessinger und Rafael
Seligmann erscheint im Stern und entfacht eine heftige Debatte. Es
wird ein Gespräch über Angst, Schuld, Deutschland und sein Leben als
Jude in Deutschland. Bubis sinnt nach über die Macht des Zufalls und
spricht über die Deutschen und ihren Umgang mit dem Holocaust.
Bis heute gilt dieses Interview als Bubis' Vermächtnis. Die
unmittelbare Erfahrung von Bubis' Desillusionierung und seine
Einsamkeit, sie werden zum Ausgangspunkt der Erzählung. Für die
Dokumentation, eine Zusammenarbeit von hr, rbb, NDR und AVE, wurde
das letzte Interview mit dem Schauspieler Udo Samel als Ignatz Bubis
so einfach wie eindrucksvoll in Szene gesetzt. Es bildet den Rahmen
für die Dokumentation. Interviews mit Bubis' Tochter Naomi in Tel
Aviv, den Journalisten Michael Stoessinger und Rafael Seligmann, mit
Weggefährten - wie Salomon Korn, Michel Friedman und Daniel
Cohn-Bendit - entwerfen ein intimes und umfassendes Porträt. Zu sehen
ist es am Montag, 9. Januar um 23.30 Uhr im Ersten.
Ihre Erinnerungen und sorgfältig ausgewählte Archiv-Sequenzen
führen zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich Ignatz
Bubis als Immobilieninvestor in Frankfurt am Main etablierte und
recht bald als "jüdischer Spekulant" angegriffen wurde, zurück in die
Jahre seines politischen Engagements als "deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens", als Brückenbauer, als Mahner und "moralische
Autorität" im Kampf gegen Fremdenhass und Antisemitismus. Entstanden
ist dabei eine intensive bild- und wortgewaltige Annäherung an einen
streitbaren, engagierten Deutschen - der die deutsche Gesellschaft,
in der er lebte, zu Lebzeiten nicht in Ruhe ließ. Der unbequem war,
der sich angesichts von ausländerfeindlichen, rassistischen und
antisemitischen Äußerungen, Ausschreitungen und rechtsradikalen
Wahlerfolgen einmischte und seine Stimme erhob.
Die Autorin Johanna Behre und der Regisseur Andreas Morell
dokumentieren das Leben und Wirken von Ignatz Bubis in angespannten
Zeiten. "Bubis - Das letzte Gespräch" ist eine Annäherung an Ignatz
Bubis und eine Auseinandersetzung mit diesem Land. Ein Nachdenken
über das Ankommen und Weggehen, über Zugehörigkeit und Fremdsein.
Bubis' damalige Bilanzen und Prognosen - der Hass und die Gewalt -
das ist auch die Gegenwart: Deutschland im Jahr 2017.
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Datum: 05.01.2017 - 11:43 Uhr
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