Deutsche Umwelthilfe kritisiert Umweltinitiative von Coca-Cola, Danone, Pepsi und Co. als Greenwashing
ID: 1445853
soll Aktionismus vortäuschen und wirksame Umweltgesetze verhindern -
Verlautbarte Umweltziele stimmen nicht mit tatsächlichen
Unternehmensstrategien überein - Coca-Cola kämpft gegen
Mehrwegflaschen, höhere Recyclingquoten und mehr Sammelmengen von
Plastikflaschen - DUH fordert Abfallvermeidungsziele und
Mehrwegquoten im europäischen Kreislaufwirtschaftspaket und im
deutschen Verpackungsgesetz
Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums 2017 in Davos haben sich
40 global agierende Großkonzerne einer Initiative der britischen
Seglerin Ellen MacArthur für eine neue Plastikwirtschaft
angeschlossen. Unternehmen wie Coca-Cola, Danone oder Pepsi möchten
weniger und umweltfreundlicheres Plastik verwenden. Die Deutsche
Umwelthilfe (DUH) kritisiert die Umweltinitiative als Greenwashing,
die vor allem dazu dienen soll, wirksame Gesetze zur Vermeidung von
Plastikabfällen zu verhindern und von der gezielten Zerstörung
ressourcenschonender Mehrwegsysteme abzulenken. Die im Rahmen der
Initiative von Coca-Cola und Co. formulierten Ziele zum Schutz der
Umwelt sind allesamt unverbindlich, ohne einen konkreten zeitlichen
Rahmen und stehen in einem großen Missverhältnis zum tatsächlichen
unternehmerischen Handeln.
Dass sich ausgerechnet Coca-Cola als ein um die Weltmeere
besorgtes Unternehmen darstellt ist ein Skandal. Anstatt Mehrweg zu
fördern und Plastikabfälle zu vermeiden - wie in den Zielen der
Wirtschaftsinitiative formuliert - hat Coca-Cola in den letzten
Jahren in Norwegen seine Mehrwegflaschen abgeschafft und ist auch in
Deutschland dabei aus dem Mehrwegsystem auszusteigen. "Ein von
DC-Leaks in 2016 veröffentlichtes internes Strategiepapier von
Coca-Cola zeigt, dass das Unternehmen gegen Mehrwegflaschen, gegen
höhere gesetzliche Recyclingquoten und gegen mehr gesammelte
Plastikflaschen kämpft. Weltweit zählt Coca-Cola zu den am
rücksichtslosesten gegen den Umweltschutz agierenden Unternehmen.
Dass ein solches Unternehmen nun eine freiwillige Initiative für
weniger Plastikabfälle in den Meeren anführt, ist ein
Täuschungsmanöver und nicht mehr als die logische Fortsetzung des
weltweiten Kampfes gegen Mehrwegsysteme", kritisiert der
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Der Brause-Gigant sieht die
Zukunft in Einweg-Plastikflaschen, die jedoch zu mehr und nicht zu
weniger Kunststoffabfällen führen.
Anstatt Coca-Cola gesetzlich zur Vermeidung von Plastikabfällen zu
verpflichten, spielt die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks
dem Brausekonzern in die Karten. Sie will im neuen Verpackungsgesetz
die Mehrwegquote für Getränkeverpackungen ersatzlos streichen. Um
Plastikabfälle und die Verschmutzung der Meere dauerhaft zu
verringern, sind jedoch gesetzliche Regelungen statt freiwilliger
Selbstverpflichtungen von Großkonzernen notwendig. Die DUH fordert
deshalb von Ministerin Hendricks eine verbindliche Mehrwegquote im
Verpackungsgesetz und von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker die
Festlegung von Abfallvermeidungszielen im
EU-Kreislaufwirtschaftspaket. Zusätzlich würde die europaweite
Einführung von Pfandsystemen für Einweggetränkeverpackungen die
Entsorgung von Plastikflaschen in der Umwelt nahezu komplett
verhindern.
Wie unglaubwürdig die neue Wirtschaftsinitiative von Großkonzernen
für einen schonenden Umgang mit Ressourcen und für weniger
Plastikabfälle ist, zeigen ebenfalls die Beispiele der teilnehmenden
Unternehmen Danone und Pepsi sowie der Biokunststoffhersteller
Novamont und NatureWorks. "Danone führte 2016 in Deutschland eine
neue Einweg-Plastikflasche ein, die um mehr als 40 Prozent schwerer
geworden ist und Pepsi finanziert einen deutschen Lobbyverband, der
sich für mehr Wegwerfplastikflaschen einsetzt. Die Verschwendung von
Ressourcen wird billigend in Kauf genommen, wenn es den Konzernen
wirtschaftlich nützt. Von Umweltschutz kann hier keine Rede sein ",
sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.
"Die Biokunststoffhersteller Novamont und NatureWorks sorgen
dafür, dass Verbraucher weiterhin milliardenfach zu Plastiktüten aus
Biokunststoffen greifen, obwohl diese keine bessere Ökobilanz
aufweisen als konventionelle Plastiktüten. Mehrweg-Tragetaschen
werden gerade nicht gefördert. Zudem verdrängen immer mehr
Wegwerfbecher aus Bioplastik abfallarme Mehrwegbechersysteme in
deutschen Fußballstadien. Das Ergebnis sind Millionen von
Bioplastikbechern im öffentlichen Raum, die sich in der Natur ähnlich
langsam abbauen wie normaler Kunststoff", kritisiert Fischer weiter.
Der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zur Herstellung von
Kunststoffen ist nicht falsch, aber der Missbrauch von Bio-Plastik,
um die Herstellung sowie den teuren Verkauf unnötiger
Einweg-Plastikverpackungen zu legitimieren, schon.
Hintergründe Informationen zur Abfallvermeidung und
Ressourcenschonung durch Mehrwegflaschen
http://www.duh.de/mehrweg_klimaschutz0/vorteile-von-mehrweg/
Informationen zu negativen Umweltauswirkungen durch
Einweg-Plastikflaschen
http://www.duh.de/mehrweg_klimaschutz0/einweg-plastikflaschen/
Studie zur Vorteilhaftigkeit von Mehrwegflaschen, vor
Einwegflaschen mit Pfand und der Sammlung von Getränkeverpackungen im
gelben Sack http://www.duh.de/pwc_getraenkestudie.html
Pressemitteilung zum internen Strategiepapier von Coca-Cola vom
30.11.2016: http://l.duh.de/zc2vm
Pressekontakt:
Jürgen Resch, DUH-Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de
Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft DUH
030 2400 867 43, 0151 18256692, fischer@duh.de
DUH-Pressestelle:
Ann-Kathrin Marggraf
030 2400867-20, presse@duh.de, www.duh.de
www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe
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Datum: 18.01.2017 - 13:48 Uhr
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