Schwäbische Zeitung: Die Zeichen der Zeit erkannt - Leitartikel zu Steinmeier
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nicht. Dass er ein guter Politiker und vor allem ein versierter
Diplomat ist, steht fest. Schließlich führte ihn seine Karriere von
Schröders "Machma"-Kanzleramtschef zum weltweit anerkannten
Diplomaten. Doch als eines war Steinmeier bisher nicht bekannt: als
Mutmacher.
Steinmeier ist klug genug, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Die
Ängste der Menschen, die von jenen benutzt werden, die alles
zerschlagen wollen, was ihnen Angst macht. Die am liebsten die ganze
etablierte Politiker-Riege, deren Vertreter Steinmeier in Reinkultur
ist, hinwegfegen wollen.
Doch die Bundesversammlung in Berlin hat eine starke Antwort
gegeben. Mit Dreiviertel-Mehrheit hat sie den Politiker Steinmeier
ins Amt des neuen Bundespräsidenten gewählt. Die SPD, weil er ohnehin
ihr Wunschkandidat ist, Union und Grüne, weil sie der Verantwortung
nicht ausgewichen sind. Sie standen, wenn auch teils zähneknirschend,
zu einem verantwortlichen Politiker, einem, der die politischen
Finessen kennt wie kein anderer, der reden, verhandeln und lenken
kann, und das nicht als Selbstzweck, sondern weil er etwas für andere
erreichen will. Der für ein geeintes Europa ebenso gekämpft hat wie
für den Frieden in der Welt. Nicht immer erfolgreich, aber
beharrlich. Und es ist genau dieses Nicht-Aufgeben, das ständige
Bemühen um den besten Weg, das die deutsche Demokratie auszeichnet
und stark macht.
Auch da hat die Bundesversammlung ein deutliches Signal gesendet.
Wenn sich von links bis rechts alle Delegierten außer jenen der AfD
erheben, um Norbert Lammerts Art von Anti-Trump-Aufruf zu folgen,
sich nicht einzumauern, keinen Isolationismus zu predigen, dann ist
das bemerkenswert. Der Bundestagspräsident hat auf höherer Ebene
eingefordert, was der neue Bundespräsident mit einfachen Worten
beschrieb: Wenn das Fundament anderswo wackelt, muss Deutschland um
so fester stehen. Von Haltung spricht Lammert, von Mut Steinmeier.
Beides ist bitter nötig.
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Datum: 12.02.2017 - 21:08 Uhr
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