Lausitzer Rundschau: Darf man das?
Aufruf zum Autofasten
ID: 1461795
Öffentlichen umzusteigen, dafür sprechen gute Gründe: Die Luft in den
großen Städten wird dank des Diesel und der steigenden
Verkehrsbelastung immer dicker, auch wird es auf den Straßen wegen
der wachsenden Mobilität zunehmend enger. Weniger Autos sind gut für
die Umwelt und bedeuten mehr Freiraum für Fußgänger und Radfahrer.
Und gegebenenfalls auch mehr Sicherheit. Deswegen ist es sinnvoll,
häufiger mal auf das Kfz zu verzichten. Also zu "fasten". Außerdem
hilft ein Blick in die bundesrepublikanische Geschichte: Der
autofreie Sonntag in den 70er-Jahren, der freilich der Ölkrise
geschuldet war, ist heute aus Sicht vieler Älterer ein Ereignis, an
das man sich irgendwie gerne erinnert. Die unbegrenzte Möglichkeit,
selbst Autobahnen als Fußgänger und Radler zu benutzen, wirkt bis
heute positiv nach. Genau deswegen gibt es Kommunen, die einen
solchen Tag jedes Jahr möglich machen und dafür bestimmte Strecken
sperren. Auch davon hätte man gerne mehr. Der eine oder andere mag
nun ein Problem damit haben, dass die ganze Chose, für die die
Kirchen, die Grünen und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
wieder werben, "Autofasten" genannt wird. Darf man das? Schließlich
hat der Begriff des Fastens eine religiöse Dimension, und nun wird er
ohne direkten religiösen Bezug scheinbar zweckentfremdet. Man darf.
Denn der Verzicht in einer modernen Gesellschaft muss eben anders
definiert werden als noch zu Zeiten Luthers. Weil neue Dinge für die
Menschen eine Bedeutung haben. Deswegen kann Fasten auch sein, das
Handy öfter auszuschalten, weniger Fleisch zu essen und halt auf den
Wagen zu verzichten. Nur so lassen sich Einsichten ändern. Insofern
wäre es gut, wenn viele dem Aufruf zum "Autofasten" folgen würden.
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Datum: 28.02.2017 - 20:50 Uhr
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