Fondsmanager Speich sieht viele Konzerne in der Digitalisierungs-Krise
ID: 1481207
und Übernahmen durch agressive US-Investoren
Berlin, 19. April 2017 - Im Zuge der Hauptversammlungs-Saison 2017
stellt der Fondsmanager und bekannte Konzern-Kritiker Ingo Speich den
meisten deutschen Aktienkonzernen mehrheitlich ein schlechtes Zeugnis
in Sachen dringend nötiger Transformationsprozesse aus. "Großkonzerne
leiden häufig unter verkrusteten Strukturen und einer ausgeprägten
Besitzstandswahrungsmentalität, die notwendige
Transformationsprozesse erschwert. Nur wenige schaffen es, den Wandel
proaktiv voranzutreiben. Das ist brandgefährlich in einer Zeit, in
der die Digitalisierung etablierte Geschäftsmodelle in Frage stellt
und die Wertschöpfung in vielen Branchen grundlegend verändert",
sagte der Portfolio-Manager der Fondsgesellschaft Union Investment im
Interview mit dem Wirtschaftsmagazin 'Capital' (Ausgabe 05/2017, EVT
20. April).
Vorstände und Aufsichtsräte seien seiner Beobachtung nach oft
gleichermaßen überrascht von den aktuellen Herausforderungen. "Der
Digitalisierungstrend hat die Nische verlassen. Es geht nicht länger
nur um den Buchhändler um die Ecke oder die Videothek, sondern um
ganze Großindustrien, die in der Breite einen Angriff auf ihr
Kerngeschäft erleben", so Speich. Das erkläre unter anderem auch,
warum rund ein Drittel der Dax-Konzerne in einer Krise steckten oder
ihre Aktien seit Jahren kaum von der Stelle kämen.
Der Portfolio-Manager von Union Investment hat sich als Kritiker
auf Hauptversammlung einen Namen gemacht und vertritt dort je nach
Konzern zwischen ein und zwei Prozent des Aktienkapitals. Damit
gehört der Fondsdienstleister der Genossenschaftsbanken in
Deutschland stets zu den größten Einzelaktionären.
Zwar lobte Speich gegenüber 'Capital' grundsätzlich die
erfolgreiche Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und ihre neue
Strategie. "Sie hat zwei Großbaustellen geschlossen: Die größten
Rechtsrisiken sind beseitigt, die Kapitalausstattung auf akzeptablem
Niveau." Für eine Entwarnung sei es aber noch viel zu früh.
"Entscheidend wird jetzt sein, ob die Deutsche Bank es schafft, ihre
Mitarbeiter bei der erneuten Strategieanpassung mitzunehmen und
starke operative Zahlen zu liefern. Das werden die nächsten Quartale
zeigen."
Nach der Übernahmeschlacht um den Pharmakonzern Stada rechnet
Speich mit weiteren Zukäufen und Übernahmen deutscher Großkonzerne
durch US-Investoren. "Fusionen und Übernahmen und den Einstieg
aktivistischer Investoren werden wir künftig noch weitaus häufiger
sehen. Gerade in den USA sind enorme liquide Mittel frei und der
Anlagedruck hoch", so Speich. Noch fehlten bei vielen US-Investoren
die juristischen und administrativen Strukturen und auch das Netzwerk
für entsprechende Zukäufe. "Ist das Eis einmal gebrochen, wird das
ganz schnell gehen, auch wegen des recht starken US-Dollars", so
Speich.
Pressekontakt:
Christian Kirchner, 'Capital'-Korrespondent Frankfurt
Telefon: 069/79 30 07-514 / Mobil: 0179/455 44 65
E-Mail: kirchner.christian@capital.de
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