Ärzte der Welt alarmiert über psychische Gesundheit von Flüchtlingen in Sammelunterkünften
ID: 1485388
Ärzte der Welt beobachten während psychiatrischer Sprechstunden in
Sammelunterkünften von Flüchtlingen eine besorgniserregende Zahl von
psychischen Krankheiten.
Seit 2015 engagiert sich Ärzte der Welt für Flüchtlinge in
München. Ein Behandlungsbus fährt zwei Mal wöchentlich
Gemeinschaftsunterkünfte an. Unser Team versorgt die Menschen
medizinisch und unterstützt dabei, sie ins Regelsystem zu
integrieren.
Da die Ärzte und Ärztinnen im Projekt immer wieder beobachtet
hatten, dass die psychische Gesundheit vieler Bewohner(innen)
beeinträchtigt ist, wurde das Angebot durch psychiatrische
Sprechstunden erweitert. Diese werden von ehrenamtlichen
Psychiater/innen durchgeführt, können aber nur die dringendsten Fälle
begleiten. "Unter den prekären Lebensbedingungen in den
Sammelunterkünften verschlechtert sich die psychische Gesundheit von
Menschen mit Traumafolgestörungen, von Frauen mit Gewalterfahrung und
Kindern, ständig", beobachtet die Psychiaterin Stephanie Hinum.
"Gesetzliche und bürokratische Hürden aber machen den Zugang für eine
Behandlung von psychischen Erkrankungen geradezu unmöglich."
Zu den belastenden Lebensbedingungen in den Sammelunterkünften
kommt in den letzten Wochen hinzu, dass wiederholt Bewohner/innen
nachts von der Polizei aus den Unterkünften abgeholt werden. Auch ein
Patient, den unsere Ärztin psychiatrisch behandelt hatte, war unter
den Personen, die nicht mehr geortet werden konnten. "Wir sind sehr
besorgt über diese Vorgehensweise der unangekündigten Abschiebung",
sagt Dr. Stephanie Hinum, "wir beobachten, dass viele Menschen unter
massiven Schlafstörungen, Angst und Depressionen leiden. Wir sehen
auch, dass dadurch die Spannungen zwischen den Bewohnern steigen.
Eine bereits beeinträchtigte psychische Gesundheit einiger Bewohner
wird durch das Vorgehen der Behörden weiter destabilisiert - mit
unabsehbaren Konsequenzen."
Ärzte der Welt wendet sich entschieden gegen breit angelegte
Überraschungsabschiebungen. Auch appelliert die Organisation an
politische Entscheidungsträger, dass Asylbewerber/innen zügig in
Unterkünfte umziehen können, die eine Privatsphäre erlauben und die
psychische Gesundheit nicht verschlechtern.
Darüber hinaus fordert Ärzte der Welt, dass Flüchtlinge in
ausreichendem Maße psychosoziale Versorgung erhalten. Dies beinhaltet
zum einen den Zugang zu dem vollständigen Leistungsspektrums der
gesetzlichen Krankenkassen als auch den Abbau von Zugangsbarrieren,
(wie z.B. Sprachbarrieren). Nur dadurch kann eine bedarfsgerechte
Versorgung gesichert werden.
Pressekontakt:
Ute Zurmühl
Leitung Medien & Kommunikation
Ärzte der Welt e.V. - Doctors of the World Germany
Leopoldstr. 236, 80807 München, DE
t. +49 (0) 89 45 081-24
m. +49 (0) 160 855 74 27
@ presse@aerztederwelt.org
www.aerztederwelt.org
Original-Content von: ?rzte der Welt, übermittelt durch news aktuell
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 28.04.2017 - 16:17 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1485388
Anzahl Zeichen: 3343
Kontakt-Informationen:
Stadt:
München
Kategorie:
Soziales
Diese Pressemitteilung wurde bisher 249 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Ärzte der Welt alarmiert über psychische Gesundheit von Flüchtlingen in Sammelunterkünften"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Ärzte der Welt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Langfristige Lösungen für Flüchtlinge in Bosnien und Herzegowina: Das fordert Ärzte der Welt in einer gemeinsamen Stellungnahme mit Amnesty International und weiteren Organisationen. Hunderte Asylsuchende, die bei Schnee und Eiseskälte im Freien übernachten müssen - es waren beschämende Bil
Humanitärer Kongress 2020: Ungleichheit, Macht und Privilegien in Zeiten von Corona und Klimawandel ...
Die Covid-19-Pandemie legt soziale Ungleichheiten offen. Sie verschärft die ungleiche Verteilung von Lebenschancen und vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich. Weltweit könnten 500 Millionen Menschen zusätzlich in Folge der Krise unter die Armutsgrenze fallen, mehr als 120 Millionen Mensche
Einladung für die Pressekonferenz zum Humanitären Kongress Berlin ...
"Exposing Power and Privilege in Times of Crisis" - Themenschwerpunkt Machtstrukturen und Privilegien Am 26. Oktober, um 11 Uhr Via Zoom: https://zoom.us/j/96520017365?pwd=LzY4aU5WaHA5TjBFa0V6VENsRVNwdz09 Die Coronakrise gefährdet nicht nur die Gesundheit, sie verschärft auch soziale
Weitere Mitteilungen von Ärzte der Welt
Uri Gneezy: "Wer die Wirkung von Incentives versteht, kann sie viel besser machen" - BILD ...
Am 27. April 2017 gab der Verhaltensökonom Uri Gneezy beim "Vienna Behavioral Economics Network" verblüffende Einsichten in die Wirkung von Anreizen auf menschliches Verhalten - und wie man Incentives besser gestalten kann. Wie reagieren Eltern, wenn sie ihre Kinder zu spät aus dem
Neukölln gegen Drogen und Gewalt ...
Berlin, 28.04.2017 Ein Zeichen setzen gegen Jugend-Gewalt in der Schule, im privaten Umfeld, im Sport… Kinder stark machen gegen Gefahren von Alkohol und anderen Drogen… das sind die Motivationsgründe, warum das Projekt erneut die Lessinghöhe als Gastgeber gewinnen konnte. 10 Jahre Aufklär
Wennöffentliche Entrüstung zum Ritual wird oder warum wir immer schneller mit einem Urteil zur Hand sind (FOTO) ...
Immer schneller werden moralische Urteile gefällt. Immer rigider wird dabei die Form des sozialen Umgangs. Die möglichen Folgen daraus sind bekannt. Der bekannte Münchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer geht den Ursachen dieser gesellschaftlichen Hyperaktivität nach und beschreibt,
Prävention wirkt doch! ...
Im aktuellen Wahlkampf kritisieren die Oppositionsparteien, dass das Projekt "Kein Kind zurücklassen!" wirkungslos sei. Insbesondere wird darauf verwiesen, dass die Kinderarmut in Nordrhein-Westfalen trotzdem gestiegen sei, was die Wirkungslosigkeit des Projekts nachweise. Zur Versach




