Südwest Presse: Kommentar zu Nato und Afghanistan
ID: 1490530
mit der Forderung konfrontiert, ihre Truppen in Afghanistan
aufzustocken. Gut zwei Jahre nach dem offiziellen Ende der bis dahin
13 Jahre währenden Mission holt der Krieg am Hindukusch die deutsche
Politik erneut ein. Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen,
die angesichts der Terrorzelle in der Bundeswehr um ihr politisches
Überleben kämpft, kommt das Ansinnen der US-Regierung zum denkbar
schlechtesten Zeitpunkt. Es gibt Gründe, das militärische Engagement
zu verstärken. Die radikal-islamischen Taliban gewinnen angesichts
der nach wie vor schwachen afghanischen Regierung an Boden. Und es
gibt Hinweise, dass sich Kämpfer der Terrormiliz IS angesichts ihrer
Geländeverluste in Syrien und im Irak nach Afghanistan und Pakistan
zurückziehen. Beides ist eine Bedrohung für den Westen, doch die
Lösung, deshalb eine ganze Region militärisch unter Kontrolle zu
halten, kann nicht von Dauer sein. Die Saat der Islamisten geht auf.
Unter dem Schlagwort der imperialen Überdehnung versuchen sie seit
dem 11. September 2001, westliche Streitkräfte in einen
Abnutzungskrieg zu verwickeln, an dessen Ende nicht nur die
afghanische Armee überfordert ist. Die USA haben sich mit der
Asien-Pazifik-Region längst einem neuen Schauplatz zugewandt, auf dem
das Problem Nordkorea oberste Priorität hat. Europäische Armeen
stellen sich angesichts des Ukraine-Konflikts vermehrt auf die
Landesverteidigung ein. Für weitere Interventionen fehlen die
Kapazitäten. Eine gemeinsame Linie der Bündnispartner auf dem Gipfel
ist in weiter Ferne - jeder wird versuchen, sich selbst zu retten.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
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Datum: 11.05.2017 - 19:25 Uhr
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