MDR: Menschen ausärmeren Ländern haben geringere Chancen auf ein Besuchsvisum
ID: 1493834
ab sofort freigegeben:
Menschen aus Ländern mit geringem Pro-Kopf-Einkommen erhalten viel
seltener ein Einreisevisum nach Deutschland als Menschen aus reichen
Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt das Datenprojekt des MDR-Magazins
"Exakt". Dabei wurden die Visa-Ablehnungsquoten und die Daten zum
Pro-Kopf-Einkommen in den jeweiligen Staaten der Antragsteller
ausgewertet. Bei sehr vielen Ländern mit geringem
Durchschnittseinkommen zeigt sich, dass die Ablehnungsquoten um ein
Vielfaches höher sind als die durchschnittliche Quote von knapp 7
Prozent.
So wurde beispielsweise bis zu jeder zweite Antrag aus Guinea
(52%), Afghanistan (43%) und Nigeria (42%) im vergangenen Jahr
abgelehnt. Das Pro-Kopf-Einkommen dieser Länder liegt im weltweiten
Vergleich im unteren Bereich: in Guinea bei jährlich 470 US-Dollar,
in Afghanistan bei 610 US-Dollar und in Nigeria bei 2.820 US-Dollar.
Hingegen liegen die Ablehnungsquoten bei Visa-Antragstellern aus
Ländern mit höheren Einkommen, wie etwa China (7.930 US-Dollar) oder
Kasachstan (11.390 US-Dollar), bei drei Prozent und weniger.
"Wenn ich mir anschaue, dass besonders aus armen Ländern die
Ablehnungsquote extrem hoch ist, 30, 40 Prozent zum Teil, dann muss
man hier sagen, dass Menschenrechte verletzt werden", kritisiert die
Bundestagsabgeordnete der Linken Ulla Jelpke. Mit dieser Praxis werde
der ganze Sinn von Besuchsvisa auf den Kopf gestellt, und man
unterstelle den Antragstellern häufig, dass sie nur einreisen
wollten, um dann hier zu bleiben. Gerade für bi-nationale Ehen sei
das sehr belastend.
Das Auswärtige Amt weist einen Zusammenhang zwischen der
Visa-Vergabe und dem Pro-Kopf-Einkommen zurück: "Für die Beurteilung
der Rückkehrbereitschaft sind weder die allgemeinen
Einkommensverhältnisse noch die des Antragstellers allein
entscheidend", hieß es gegenüber "Exakt". Es komme vielmehr auf die
Gesamtsituation des Antragstellers und seine Verbundenheit mit seinem
Herkunftsland an.
Das MDR-Magazin "Exakt" beschäftigt sich am Mittwoch um 20.15 Uhr
ausgiebig mit dem Thema und erklärt unter anderem, warum sich wegen
der Visa-Vergabepraxis ein Leipziger Bäcker diskriminiert und
genötigt fühlt, seinen Betrieb aufzugeben.
Mehr Informationen zum Thema und alle Daten dazu unter
mdr.de/exakt.
Pressekontakt:
MDR, Hauptabteilung Kommunikation,
Sebastian Henne,
Tel.: (0341) 3 00 63 76,
E-Mail: presse@mdr.de,
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Datum: 29.05.2017 - 11:31 Uhr
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