Lausitzer Rundschau: Reförmchen fürs Alter
Betriebsrenten für alle
ID: 1494102
geeignet ist, den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand zu sichern,
sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Steigerungen gerade
in den vegangenen Jahren sind zwar recht ordentlich ausgefallen. Aber
bestimmte Faktoren bei der Rentenberechnung sorgen dafür, dass die
Altersbezüge auf lange Sicht deutlich hinter der Lohnentwicklung
zurückbleiben. Das ist politisch gewollt, denn tendenziell müssen die
Beiträge für immer mehr Rentner von immer weniger Beschäftigten
aufgebracht werden. Nun startet die Bundesregierung einen neuen
Versuch, um das Vorsorge-Bewusstsein zu schärfen: Die Betriebsrente
soll's richten. Und das ist zunächst einmal grundsätzlich zu
begrüßen, auch wenn die Gesetzespläne von einem wirklich großen Wurf
weit entfernt sind. Immerhin konzentrieren sich Union und SPD diesmal
auf jene Bevölkerungsgruppe, denen tatsächlich Armut im Alter droht.
Das sind die Niedrigverdiener. Für sie soll der Arbeitgeber einen
zusätzlichen Obolus einzahlen. Das ist nicht die schlechteste Lösung.
Schließlich sparen die Unternehmen bei der betrieblichen
Altersversorgung Sozialbeiträge. Für Beschäftigte mit wenig Lohn
wiederum sind die heutigen Lösungen kaum attraktiv, weil sie von
einer Steuerersparnis wenig oder gar nicht profitieren. Ein weiteres
Plus aus Sicht der Betroffenen: In der Auszahlungsphase wird die
Betriebsrente künftig nicht mehr automatisch mit der Grundsicherung
verrechnet. Gerade das war immer ein durchaus berechtigtes Argument
von Geringverdienern, die Finger vom Alterssparen zu lassen. Künftig
sorgt ein Freibetrag dafür, dass gerade diese Gruppe zusätzlich etwas
vom Angesparten hat. Den wohl größten Webfehler beseitigt die Reform
allerdings nicht: Die allermeisten Betriebsrentner werden auch
künftig auf ihre Extra-Bezüge den vollen Kranken- und
Pflegeversicherungsbeitrag abführen müssen. Das schmälert die
Auszahlungen erheblich - und die Akzeptanz dieses Modells. Ein
weiteres Manko: Die Umwandlung von Gehaltsanteilen für die spätere
Altersversorgung ist schon heute ziemlich unübersichtlich. Es gibt
fünf Durchführungswege, von der Direktzusage bis hin zu
Pensionsfonds. Mit der Reform kommt ein weiterer Durchführungsweg
hinzu. Es wird also noch komplizierter. Obendrein ist das
Gesetzesvorhaben mit der neuen Arbeitswelt schwerlich vereinbar. Ein-
und derselbe Job auf "Lebenszeit", das war einmal. Mittlerweile sind
häufigere Arbeitsplatzwechsel eher die Regel. Und wer das auch noch
branchenübergreifend tut, für den wird die Betriebsrente auch in
Zukunft kaum rentabel sein. Damit bleibt am Ende auch unklar, in
welchem Maße die neuen Möglichkeiten genutzt werden. Entgegen
sonstigen Gepflogenheiten hält sich die Große Koalition hier mit
Prognosen auffällig zurück. Klar ist allerdings: Die Betriebsrenten
allein lösen das Rentenproblem der Zukunft gewiss nicht.
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Datum: 29.05.2017 - 19:51 Uhr
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