"Denkfest 2017": Mit ungewöhnlichen Konzepten und Kooperationen neue Kulturräume erobern
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Hegemann: ?Believe in crazy ideas?
Einen ersten Denkanstoß gab Dimitri Hegemann. Bereits in den 1980er-Jahren schuf der Berliner Kulturmanager mit seinem ?Fischbüro? oder dem Festival ?Berlin Atonal? Experimentierräume für Kreative. In den 1990er-Jahren schrieb er diese Geschichte u.a. mit dem Techno-Club ?Tresor? fort. Zu seinen aktuellen Projekten zählt ?Happy Locals?, das in der Provinz kreative Plattformen für junge Menschen schafft. Kultur könne durchaus Motor der Stadtentwicklung sein, so Hegemanns Überzeugung. Allerdings brauche es hierfür Orte, an denen Menschen ihre Gedanken frei und ohne Konventionen ausleben dürften: ?Verrückte Ideen bringen positive Energie.? Deshalb müsse man ungewöhnliche Formate an ungewöhnlichen Orten zulassen und fördern. Aus diesem organischen Wachstumsprozess heraus könne dann Großes entstehen, das sich auch nachhaltig finanzieren lässt.
Kultur als Instrument der Stadtentwicklung
Für eine Zurückeroberung des öffentlichen Raums warb Wulf Kramer (Yalla Yalla! Studio for Change): ?Menschen wollen Ungewöhnliches erleben.? Deshalb habe es sich bewährt, Dinge in neue Sinnzusammenhänge zu bringen und öffentlich zu inszenieren. Dabei gehe es nicht nur um Kunst im engeren Sinne. Geeignet sei alles, was die Lebensqualität der Menschen steigere und Orte der sozialen Interaktion schaffe.
Die Kreativwirtschaft in ihrer Gesamtheit sei ein wichtiger Treiber für die Zukunft der Städte. Dies zeige sich zum Beispiel am Mannheimer Stadtteil Jungbusch, so Michael Herberger (Naidoo Herberger Produktion). Er selbst verstehe sich als Teil dieser Entwicklung und plane deshalb auf der Konversionsfläche ?Franklin? einen neuen Gebäudekomplex mit Büros, Studios und Proberäumen: ?Kreativunternehmen sind meist Kleinunternehmen. Der Austausch mit anderen ist elementar wichtig.?
Arbeitsbedingungen nur teilweise verbessert
Wie wichtig Kunsträume und der persönliche Austausch für kreative Prozesse sind, zeigte sich beim Denkfest auch in den verschiedenen Arbeitsgruppen. Die Rahmenbedingungen in der Region hätten sich in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, so der Tenor, allerdings nicht für alle Kunst- und Kulturschaffenden gleichermaßen. Unternehmen der Kreativwirtschaft hätten einen deutlich besseren Stand als darstellende oder bildende Künstler. Attraktive und bezahlbare Probe-, Produktions- und Präsentationsräume für die freie Szene seien in vielen Städten und Gemeinden nach wie vor knapp. Zudem fehle es an Transparenz über die Unterstützungsangebote und Möglichkeiten. Die Zwischennutzung von Leerständen sei zwar eine gute Idee, in der Realität aber ein schwieriges Unterfangen, weil Eigentümer nur selten mitzögen. Abhilfe könnten künftig bessere Schnittstellen zwischen Eigentümern, Kommunen und Künstlern leisten. Zudem brauche es neue Konzepte für die Raumnutzung. Das in der Kreativwirtschaft vielfach praktizierte Sharing-Konzept, bei dem Unternehmen Räumlichkeiten gemeinsam und/oder nur zeitweise nutzen, sei auch für die freie Szene in der Region interessant. Hier gelte es, im regionalen Verbund neue Modelle der Zusammenarbeit zu entwickeln und zu erproben.
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Datum: 02.06.2017 - 10:34 Uhr
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